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Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere
(eine Schätzung kommt bis auf 1200000) miteinander streitenlassen; sehr -wahrscheinlich zählte in Wirklichkeit das nor-mannische Heer weniger als 7000 Krieger, sicher nicht vielmehr; das Heer Haralds war noch schwächer: 4000 bis7000.
Selbst die Kreuzzugsheere, die wohl die größten desMittelalters waren, sind verhältnismäßig klein: die höchsteZahl der Reiter, die in einer Schlacht in Palästina gekämpfthaben, dürfen wir auf 1200, die der Fußgänger auf 9000 an-setzen. Das Gesamtheer hei Asdod wird mit 8000 Kriegernwahrscheinlich noch zu hoch bemessen. Die Heere, dieFriedrich Barbarossa vor Mailand versammelte, gehörtenebenfalls zu den größten des Mittelalters; aber auch hiersind die Zehntausende und Hunderttausende der Chronistenfabelhaft: es hat sich um einige tausend Ritter gehandelt.In der Schlacht bei Cortenuova (1237), einer der allergrößtenihrer Zeit, haben doch höchstens 10000 Kombattanten aufjeder Seite gestanden.
Wir können die mittelalterlichen Aufgebote ziemlich ge-nau ziffernmäßig bestimmen, wenn wir von der Zahl derRitter, die es überhaupt in einem Lande gab, ausgehen: inEngland lebten, nach den Berechnungen von Morris, im13. Jahrhundert nicht mehr als 2750 Ritter; auf jeden Ritterkamen etwa zwei Knappen, also gab es in ganz England 8000 Reiter; das Maximum des Fußheeres, das im Jahre 1277aber nur auf ganz kurze Zeit versammelt werden konnte,müssen wir mit 15 640 Mann ansetzen.
Die größte Armee, die das Mittelalter wohl gesehen hat,war die, die Eduard III. 1347 bei Calais zusammenzog; siebestand aus 32000 Mann: eine wie Delbrück seiner Be-rechnung hinzufügt 52 , „für das Mittelalter unerhörte Kriegs-macht“. Und wir müssen bei all diesen Ziffern immer nochbedenken, daß diese großen Heere immer auf ganz kurzeZeit beieinander gehalten werden konnten.