II. Die Grundsätze der Heeresausrüstung
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finden in dem Augenblick der Ausfahrt aus dem Hafen.Grundsätzlich ist auch hier das System der Dezentralisationanwendbar (und ist auch in der Geschichte zur Anwendunggelangt: auf genuesischen Schiffen im 12. Jahrhundert): dasheißt, auch hier kann jeder Matrose und jeder Krieger zurSelbstbeköstigung verpflichtet sein: aber natürlich drängt sichin solchem Falle die Zentralisation als System der Ausrüstung(wenigstens eines Schiffes) mehr auf als bei einer Landtruppe,die sich jeden Tag ihren Unterhalt neu beschaffen kann.
Wenn wir nun im weiteren Verlauf dieser Darstellungverfolgen wollen, wie sich in den letzten Jahrhunderten dieOrganisation der Heeresausrüstung entwickelt hat, und welcheBedeutung für den modernen Kapitalismus dieser Entwicklunginnewohnt, so müssen wir unser Hauptaugenmerk auf dieZusammenhänge richten, die zwischen der Organisation derAusrüstung und der Gestaltung des Marktes, das heißt alsodes Güterbedarfs, obwaltet. Insbesondere müssen wir nach-zuspüren versuchen, inwieweit und wodurch der Militärbedarfdas erzeugt hat, was wir einen Massenbedarf nennen. Denndarin, daß durch ihn der erste große Massenbedarf entstanden ist, erblicke ich einen der allerwichtigsten Einflüsse desMilitarismus auf den Kapitalismus . Fragen wir vorher aber, wasdenn ein „Massenbedarf“ sei, so erhalten wir folgende Antwort.
Ein Massenbedarf ist entweder ein Bedarf an großen(zusammengesetzten, komplexen) Gütern oder ein Bedarf anvielen gleichartigen Gütern. Beide Arten des Massenbedarfsentstehen durch Zusammenballung. Diese Zusammenballungvollzieht sieh entweder in einem technischen Prozesse: wenngroße Kanonen, große Schiffe, große Kasernen bedurft werden;oder durch bloß organisatorische Nebeneinanderreihungeinzelner Konsumakte: wenn die Waffen für tausend Kriegerin einem beschafft werden statt von jedem einzeln.
Danach ergibt sich, welche verschiedenen Faktoren äufdie Entstehung eines Massenbedarfs, das heißt also auf