I. Das Eindringen der Feuerwaffen
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bedeutete also einen Kampf zwischen alter und neuer Be-waffnung, was in der folgenden Darstellung gebührendenAusdruck finden wird.
/. Die Geschütze
Es genügt, wenn wir die Zeit ungefähr abgrenzen, in derdie Geschütze zuerst zur Anwendung gelangt sind: ihrefernere Geschichte, soweit sie nicht technischer Natur ist undalso hier nicht hingehört, erschöpft sich in der quantitativenZunahme dieser neuen Waffe nach Menge und Größe, worüberin dem Abschnitt, der die Ausdehnung des Bedarfs handelt,zu reden sein wird.
Das Jahr, in dem zuerst ein „Feuergesehütz“ im Kriegebenutzt worden ist, läßt sich annähernd genau bestimmen:es liegt im zweiten oder dritten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts.Vielleicht ist es das Todesjahr Dantes: 1321. Die StadtMons hat 1319 schon einen „Mattre de l’artillerie“ 10 °. Aberdas Wort Artillerie hatte damals noch einen anderen Sinn,als es später bekam. Wir können deshalb aus dieser Be-zeichnung eines Waffenbeamten noch nicht mit voller Sicher-heit auf das Vorhandensein von Feuergeschützen schließen.Diese werden mit Bestimmtheit erst in der Chronik von Metzaus dem Jahre 1324 erwähnt 101 . Aus dem Jahre 1326 stammtdann ein Schriftstück, in dem schon von metallenen Kanonen undschmiedeeisernen Kugeln die Bede ist 102 (während die erstegegossene Eisenkugel nach Biringuccio im Kriege Karls VIII. gegen Ferdinand (1495) zur Verwendung gelangt sein soll).
Bald darauf erfahren Avir von der Verwendung von Feuer-geschützen in einer Schlacht: 1327 bedient sich Eduard III. der Crakys in Schottland. Eduard soll die neue Waffe vonFlamländern, die damals an der Spitze der Militärtechnikstanden, erhalten haben. Von einer Verwendung der neuen Waffein Flandern und Brabant selbst erfahren wir aus so früherZeit nichts. Dagegen weisen nach 1360 alle Stadthausrechnungen