I. Das Eindringen der Feuerwaffen
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die Hälfte Handbüchsen, die Hälfte Armbrüste, vorschreibt,•wird sicher die Wirklichkeit der Vorschrift noch nicht ent-sprochen, wird der Anteil der Feuerwaffen viel geringergewesen sein. Wir sind zu diesem Schlüsse gezwungen, wennwir die Berichte des 15. Jahrhunderts lesen, die von dertatsächlichen Ausrüstung der Heere mit Feuerwaffen erzählen:unter den 80 000 (?) Mann, die 1427 das hussitische Böhmen überzogen, befanden sich etwa 200 Handbüchsen 103 ; unter1000 Mann zu Fuß, beim Zuge der Brandenburger gegenStettin im Jahre 1429 waren 50 mit Handbüchsen bewaffnet 108 ;in dem Züricher Aufgebot des Jahres 1440, das aus 2770 Mannbestand, hatten 61 Feuergewehre. Es hieß also gewiß schondas Äußerste fordern, wenn in dem Aufgebot des KurfürstenFriedrich von Sachsen im Jahre 1448 verlangt wird 109 : dieStädte sollen kommen: ein Viertel mit Armbrüsten, ein Viertelmit Spießen, ein Viertel mit eisernen Kornheuern und einViertel mit guten Handbüchsen. Dieses Verhältnisder Feuer- zu den anderen Waffen 1:3 kehrt im 15. Jahr-hundert noch häufiger in den Aufgeboten deutscher Fürsten wieder: z. B. in dem Albrecht Achills vom Jahre 1477 (gegenSagan): „ein viertel, die sollen buchsen-schützen sein“ 110 .
Den wirklichen Anteil der Handfeuerwaffen an der Gesamt-bewaffnung (der Fußtruppen) setzt einer der besten Kennerder Geschichte der Handfeuerwaffen für das Ende des 15. Jahr-hunderts: in Spanien mit einem Drittel, in Deutschland miteinem Sechstel, in Frankreich mit einem Zehntel an 111 .
Erst das 16. Jahrhundert bringt den Feuerwaffen dieParität mit den anderen Waffen (also nun vor allem den Piken),das Verhältnis 1:1. Die Spanier sind es, die diesen Fort-schritt bewirken: das im 16. Jahrhundert auf dem Gebietedes Militärwesens führende Volk. Eine Epoche in der Ge-schichte der Handfeuerwaffen hatte das Gefecht der spanischen Arkebuseros bei Pavia im Jahre 1525 gebildet. Das GenieAlbas hob dann die spanischen Truppen zum höchsten Gipfel