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Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere
der Leistungsfähigkeit empor. Er ist der erste, der dieHälfte seiner Truppen mit Feuerwaffen versieht, indem er1. jeder einzelnen Compania 20 Musketiere heigibt und 2. zujedem tercio zwei überhaupt nur aus Schützen bestehendeKompagnien hinzufügt 112 .
Die übrigen Länder werden hinter diesem Verhältnisetwas zurückgeblieben sein: die Reichsfußknechtbestallungvon 1570 113 will in den §§ 220—222 zwar die gesamte Armeemit Feuerwaffen ausgerüstet sehen, wird aber, wie wir an-nehmen dürfen, wiederum den Mund etwas vollgenommenhaben. Frönsperger (1573) 114 rechnet auf eine Gesamtzahl von4000 Mann: 2500 Spieße und 1500 Feuergewehre; das wäreein Verhältnis wie 5 : 3.
Was im 16. Jahrhundert Alba, bedeutet im 17. JahrhundertGustav Adolf für die Geschichte der Handfeuerwaffen 115 . Erbeschränkte die Zahl der Pikeniere auf ein Drittel des Fuß-volks und ersetzte die abgehenden nur durch Musketiere,so daß es 1621 schon ganze Musketierregimenter gab wiedas Regiment des Generals Banner bei Breitenfeld und etwasspäter das des jungen Grafen Thun. Aber das ganze 17. Jahr-hundert hindurch muß doch die Handfeuerwaffe noch umihren Sieg kämpfen. Noch ein so erfahrener Kriegsführerwie Montecuculi nennt die Pike die Königin der Waffen underachtet bei einem Regiment von 1500 Köpfen folgendeWaffenverteilung für richtig: 60 Offiziere, 480 Pikeniere,80 Schildträger, 880 Musketiere 116 .
Am Ende des 17. Jahrhunderts entscheidet eine Erfindungden vollständigen Sieg des Feuergewehres: das Bajonett, daszwischen 1680 und 1700 eingeführt wird. Es enthält dieLösung des Zwiespalts zwischen Stoß- und Schußwaffe, indemes sie beide in einer Waffe vereinigt. Gleichzeitig wirddie schwerfällige Muskete durch die leichtere Flinte ersetzt.In Brandenburg-Preußen verschwinden die Pikeniei'e unterdem Großen Kurfürsten ganz 117 ; in Frankreich hat bis zum