II. Die Neuordnung des Bewaffnungswesens
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Aber die Neuordnung des Bewaffnungswesens wird unsdoch erst dann in seiner ganzen charakteristischen Bedeutungverständlich, wenn wir in Erfahrung bringen, daß im Zu-sammenhänge mit der Verstaatlichung sich gleichzeitig eineVereinheitlichung in der Gestaltung der Waffen, eine Uni-formierung also des gesamten Waffenwesens vollzog. Wirwollen uns mit allem Bedacht bewußt werden, daß hiermiteine Ideenrichtung und ein Gebaren in die Welt kamen,deren kulturgestaltende Macht gar nicht hoch genug ein-geschätzt werden kann, die heute noch immer weiter undimmer rascher um sich greifen und (jetzt befördert von denInteressen des Kapitalismus) unser gesamtes Dasein zu be-stimmen und zu ordnen sich nun erst recht anschicken:daß in jenen Gedanken die Idee der Vereinheitlichungunserer Gebrauchsgüter zuerst auftaucht.
In keiner früheren Zeit des europäischen Mittelalters, ehenicht die militärische Notdurft dazu antrieb, war ein Menschauf den Gedanken verfallen: es sei ein wesentlicher Wert mitder Tatsache verbunden, daß zwei Dinge sich völlig gleichseien. Wie es in der Schöpfung nicht zwei völlig gleiche Gegen-stände gibt, so hatte auch der nach schaffende Mensch wie vonselbst niemals etwas ebenso wieder gemacht wie vorher: jedesBauwerk, jedes Kleidungsstück, jedes Möbel, jede Waffe derfrüheren Zeit beweist es uns. Wir kennen diese Launenhaftig-keit aller mittelalterlichen Produktion, die ja bloß ein äußererAusdruck der natürlichen Undiszipliniertheit des Menschenist: auch keine Rechnung stimmt ja in einem mittelalterlichenBuche. Es ist hier gewiß nicht zu verfolgen, wie die innereDisziplinierung der mittelalterlichen Menschen zuerst in derAskese, im Kloster, vorgenommen wird, wie die erste Zeit-einteilung wahrscheinlich durch den Zwang zum regelmäßigenGebet geschaffen wird. Die andere Form der Askese aber ist,darauf habe ich schon aufmerksam gemacht, die Erziehung
zur militärischen Disziplin; und einen äußeren Ausdruck findet
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