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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere

diese Disziplinierung, die ja nichts anderes als Rationali-sierung und Mechanisierung ist, in der Vereinheitlichung dervom Krieger bedurften Sachgüter, vor allem seiner Waifen.Einen äußeren Ausdruck und dann doch auch wieder einewesentliche Förderung: innerliche und äußerliche Unifor-mierung bedingen sich eben wechselseitig.

Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren Waifen und Wehrjedes einzelnen Kriegers von denen des andern verschiedengewesen: beim Ritter natürlich, aber auch beim Fußvolk,selbst noch bei den neuen Gewalthaufen der Schweizer , dienoch allerhand Kurzwehren, Streitäxte, Morgensterne und vorallem Hellebarden führten, selbst noch als die Feuerwaffenaufkommen:Kaliber, Form und Name sind in das Beliebenderer gestellt, die sie kaufen oder machen lassen (Calibres,faQons et noms ötant selon la volontö de ceulx qui les achep-tent ou les font faire) heißt es in der Treille 1567 134 .

Das erste Beispiel einer gleichförmigen Bewaffnunggrößerer Scharen bieten wohl die langen Spieße der Lands-knechte im 16. Jahrhundert 135 , deren Einheitlichkeit unmittel-bar aus der Grundidee des auf Massenwirkung hinzielendenmodernen Truppenkörpers folgte. Entindividualisierung hierwie dort.

Dann aber bietet natürlich die Feuerwaffe einen neuen,gleichsam produktionstechnischen Anlaß zur Uniformierung.Ende des 16. Jahrhunderts bieten die Augsburger Büchsen-macher dem Herzog Wilhelm von Bayern 900 Handrohre an,so alle auf eine Kugel gerichtet 136 , was also noch un-gewöhnlich war.

Nun hält der Begriff des Kalibers seinen Einzug indie Welt der Waffen: 1540 erfindet Hartmann in Nürnberg den Kalibermaßstab. Schon unter Franz I. und Heinrich II. von Frankreich wird die Zahl der Kaliber bei Kanonen aufsechs eingeschränkt: les 6 calibres de France, die bis zumEnde der Regierungszeit Ludwigs XIII. in Geltung bleiben.