Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

III. Der Bedarf an Waffen

89

eines Baumes oder der Zeugungsakt eines Tieres von deninneren Notwendigkeiten dieser Lebewesen Lichtung, Ziel undMaß empfangen. Diese natürlichen Selbstverständlichkeitendes urwüchsigen Lebens wurden in demselben Augenblickezertrümmert, als von außen her in den organischen Ablaufdes Produktionsprozesses hineingegriffen und dessen Dauer vonäußeren Zweckmäßigkeiten beeinflußt wurde. Es mußte eine ge-waltige Macht sein, die dieses natürliche Sicheinanderfügen vonProduktions Vorgang und Bedarfsgestaltung zerstören konnte,und die dem organischen Bedarf einen mechanisch bestimmtenüberordnen und von diesem aus die gesamte Produktion eben-falls aus ihren Bahnen zu schleudern und in der Richtungkünstlicher Beschleunigung hineinzuzwängen vermochte. DieseGewalt war das Kriegsinteresse, das sich hier in der Nach-frage nach Waffen äußerte.

Man ermesse, was es für einen mittelalterlichen Menschender als Produzent ein Handwerker war, bedeutete, wenn z. B.im März und April des Jahres 1652 die englische Regierungsofort 335 Kanonen verlangte; im Dezember desselben Jahresgar ankündigte, daß sofort 1500 eiserne Geschütze im Ge-wicht von 2230 t zu 26 £ die Tonne bedurft würden undaußerdem noch ebensoviel Wagen, 117 000 Schuß Kugeln,5000 Handgranaten, 12000 barreis gekörntes Pulver zu 4 j£10 sh. Sofort! Und die Agenten liefen durch das Land undklopften an alle Türen der Kanonenraacher und konnten dieplötzliche und riesige Nachfrage doch nicht befriedigen 149 .

Damit sind unsere Gedanken aber schon zur Betrachtungeines anderen Problems fortgeschritten, das uns ja am nächstenangeht: zu der Frage, wie die Neugestaltung des Waffen-bedarfs auf das Wirtschaftsleben einwirkte, inwieweit sie ins-besondere einen Antrieb zur Entfaltung kapitalistischer Organi-sationen bieten mußte.