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Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere
Ich kann aber noch einen anderen Umstand anführen,der die Bedeutung der Geschütz- und Kanonengießerei fürdie Entwicklung der kapitalistischen Eisenindustrie in einnoch helleres Licht rückt. Wie man weiß, ist die Überleitungder Eisenindustrie aus der handwerksmäßigen in die kapita-listische Organisation auf das engste verknüpft mit derErfindung und dem Vordringen des Hochofens. Man weißebenfalls, daß die grundsätzliche Neuerung, die dieser brachte,in der sogenannten indirekten Eisengewinnung bestand. Dieseindirekte Eisengewinnung war eine unmittelbare Folge derstärkeren Erhitzung des Eisens (durch Gebläse, die manmechanisch antrieb) gewesen, wodurch das Eisen in einenflüssigen Zustand versetzt worden war. Mit dieser Erzielungflüssigen Eisens hing aber wiederum die Ermöglichung desEisengusses zusammen, der zuerst fast nur für die Herstellungvon Kanonen und Kugeln (erst später und dann auch langeZeit hindurch nur nebenher für Öfen und erst seit den Er-fahrungen, die man heim Bau des Versailler Wasserwerksgemacht hatte, für Köhren) Verwendung fand. Nun war alsodie Sachlage diese: Schmiedeeisen konnte man nach demneuen Hochofenverfahren oder mittels des alten Luppen-prozesses gewinnen, Gußeisen aber nur im Hochofen. Wereine Ahnung vom Wesen des mittelalterlichen Menschen hat,wird nun ohne weiteres zugehen, daß wenn nicht mehr alsdie Möglichkeit bestanden hätte, das neue Verfahren (denHochofenprozeß) anzuwenden, dessen Einbürgerung Jahr-hunderte gedauert hätte, wenn sie überhaupt erfolgt wäre.
Wollte man aber Kanonen aus dem billigeren Eisen(statt aus der teureren Bronze) gießen, so mußte man sichdes Hochofens bedienen. Die zunehmende Nachfragenach eisernen Kanonen wirkte also wie ein Zwangzur Einführung des Hochofenverfahrens in dieEisenindustrie.
Endlich mag auch dieses Umstandes noch Erwähnung