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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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IY. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs Hl

geschehen: die Öfen für Geschützguß waren größer als dieanderen 195 : der Heeresbedarf wirkte also auf Betriebs-

konzentration hin. Eine Zeitlang bediente man sich, nament-lich in Schweden , der Doppelhochöfen, bis man den einzelnenHochofen entsprechend größer baute.

Diesen inneren Zusammenhang zwischen dem Heeres-bedarf an Waffen und der Entstehung der kapitalistischen Eisenindustrie können wir nun aber auch in den meistenFällen empirisch in der Verkettung der geschichtlichen Er-eignisse selbst nachweisen. Soweit ich die Anfänge dermodernen (das heißt also auf dem Hochofenverfahren auf-gebauten) Eisenindustrie zu überblicken vermag, bildet jedes-mal das Bestreben, für den Kanonenguß das nötige Materialzu beschaffen, den Anlaß zur Überführung der Eisengewinnungin kapitalistische Formen.

In Deutschland fallen die Anfänge des Eisengussesin das 16. Jahrhundert: damals baute man die ersten Hoch-öfen in Hessen 196 und im Saargebiete 197 , während sie inSachsen, in Brandenburg, am Harz zu Beginn des 17. Jahr-hunderts, in Schlesien 1721 aufkommen. Und die erstenKonsumenten sind die Zeughäuser überall.

In Schweden, das im 16. und 17. Jahrhundert einerder größten Eisenproduzenten war und noch im 18. Jahr-hundert England mit Eisen versorgte, stellte Gustav Wasa die Eisenindustrie auf eine ganz neue Basis, indem erGeschützgießereien einrichtete und Eisenwerke, wie dasberümte Werk bei Täberg, ausschließlich zur Lieferung desnötigen Gußmaterials anlegte. Im 17. Jahrhundert bringendann eingewanderte Niederländer die schwedische Eisen-industrie auf eine noch höhere Stufe. Louis de Geer ließ inFinspäng zwei gekuppelte Hochöfen bauen, nur für Geschütz-guß.Durch die Anlage dieser Hütte, die ausschließlich demGeschützguß dienen sollte, . . . erwuchs Schweden ein neuer