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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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I. Die Verpflegungssysteme

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Land verstreut Magazine anlegte: in Frankreich geschiehtdies bereits unter Heinrich IV., dann unter Ludwig XIII. inweitem Umfange 224 ; in Preußen namentlich unter FriedrichWilhelm I. (1726 waren 21 Kriegsmagazine errichtet) 226 ; vonanderen deutschen Staaten waren Sachsen, Böhmen undWürttemberg in gleicher ftichtung schon seit dem 16. Jahr-hundert vorgegangen 226 .

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Die Verhältnisse bei der Marine liegen insofern anderswie beim Landheer, als die Selbstverpflegung der Mannschaftbei irgendwie größeren Schiffstypen und längeren Reisen kaumdurchführbar ist. Man vergegenwärtige sich, daß auf einemKriegsschiffe ein paar hundert oder tausend Menschen wochen-oder monatelang von allem Verkehr mit der Außenwelt ab-geschlossen sind. Sie müssen also jedenfalls mit großen Vor-räten an Lebensmitteln versehen sein. Die Beschaffung dieserVorräte dem einzelnen zu überlassen, sie einzeln im Schiffeaufzustapeln, zu bewachen und sie dann auch einzeln ver-zehren zu lassen, ist außerordentlich lästig. Vorgekommenscheint auch diese Art der Selbstbeköstigungen auf Schiffenzu sein, wohl unter kleinen Verhältnissen: in den Aufgebotender Republik Genua im 13. Jahrhundert werden die Pflichtigenaufgefordert, für Waffen, Proviant undalles Nötige selbstzu sorgen 227 . Diese Art der Verpflegung wurdead apo-disias ,auf eigene Kosten 1 genannt, und ihr stand gegenüberdie Anwerbungad solidos: das Söldnerheer. Aber auchim Solde waren zu jener Zeit die Verpflegungskosten ein-begriffen.

Die großen seefahrenden Staaten, also namentlich Spanien ,Holland, Frankreich und England , scheinen das System derSelbstbeköstigung ihrer Schiffsmannschaften niemals gekanntzu ; haben. Was verschieden gestaltet ist, ist nur die Form,in der die kollektive Beschaffung der Lebensmittel für dieSchiffsbesatzung erfolgt. Hier sind, soviel ich sehe, im Laufe