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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 139

eine halbe Million Einwohner gehabt haben wird, wird esuns für diese Zeit ausdrücklich bestätigt 263 :London machtdie Grafschaften von Norfolk, Suffolk, Essex, Kent und Sussexblühend; ihre Stärke und ihre Reichtümer beruhen, wie wohlbekannt ist, nicht so sehr auf Vorzügen ihres Bodens als aufihrer Nachbarschaft und Nähe zu London.

Die Beschreibung, die wir von der Organisation desGetreide- und Mehlhandels in England während der erstenHälfte des 18. Jahrhunderts besitzen, läßt es als ziemlichsicher erscheinen, daß damals die Versorgung Londons immernoch durch die Provinzen erfolgte: die Getreidehändler kaufendas Getreide bei den Farmern auf, bei denen sie herumreiten,und bringen es zu Markte. Hier kaufen es die Müller, vondenen es wiederum die Bäcker Londons direkt beziehen 254 .

Ebenso bewegt sich die Verproviantierung von Paris während des ganzen 17. und 18. Jahrhunderts in national-wirtschaftlichem Rahmen 265 .

Wo aber waren sonst Großstädte aufgesprungen? ImOsten Europas. Sie kommen gar nicht in Betracht. Madrid im 17. Jahrhundert: wurde mit spanischem Getreide versorgt.Amsterdam selbst: wurde im 18. Jahrhundert nicht größerund verzehrte nur einen kleinen Teil der in Amsterdam an-gebrachten Getreidemengen. Wir wissen ja auch, daß derAmsterdamer Getreidehandel Zwischenhandel war. Also dieitalienischen Städte. Neapel wuchs beträchtlich, wurde abersicher von Süditalien und Sizilien versorgt. Die norditalie-nischen Städte gehen im 17. und 18. Jahrhundert sämtlichan Einwohnerzahl zurück. Ein Ausfall an Getreideeinfuhrmag immerhin durch die Eroberung Konstantinopels durchdie Türken entstanden sein. Wie ich denn gewiß nichtleugnen will, daß sich das Anwachsen des internationalenGetreidehandels zum Teil aus dem Anwachsen der groß-städtischen Bevölkerung erklären läßt. Nur scheint es mirnicht angängig, die rasche und starke Zunahme der Getreide-