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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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140 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere

Umsätze allein oder auch nur im wesentlichen auf jeneBevölkerungsverschiebungen zurückzuführen. Ich glaube viel-mehr, daß diese Zunahme sich ungezwungen erklären läßt,wenn man meine Hypothese annimmt: daß der wachsendeBedarf der Heere den Hauptanstoß zur Ausweitung desGetreidehandels bot.

Ich will noch folgende Beweismomente anführen:

a) Die Größe des Heeresbedarfs, die wir kennen gelernthaben, schließt jedenfalls die Möglichkeit nicht aus, daßein beträchtlicher Teil der Amsterdamer Zufuhr von denArmeen aufgenommen wurde: eine Armee von 150 000 Mannmit Brot zu versorgen, heischte etwa 30000 t Getreide imJahr. Ludwig XIY. schon stand mit 200 000 Mann im Felde.Die Armee Friedrichs des Großen hatte eine Friedenspräsenz-stärke von 180000 Mann. Die Getreideausfuhr von Danzig schwankte um 50000 t.

b) Die Getreidehandelspolitik aller Militärstaaten istwährend des 17. und 18. Jabunderts stark militaristischorientiert. Eberhard von Danckelmann betrachtet es ebensowie Colbert als selbstverständlich, daß die Getreidehandels-politik in erster Linie den Interessen der Armee dienen solle 258 .Ein Zeichen, wie sehr man die Versorgung des Heeres mitNahrungsmitteln, also vor allem mit Getreide, als ein Problemempfand.

c) Urteilsfähige Beobachter des Amsterdamer Handelssprechen es unumwunden aus, daß der Getreideumsatz durchden Heeresbedarf wesentlich bestimmt wurde. Der kundigeDavenant, der bekannte Generalinspektor der englischenAus- und Einfuhr, konstatiert für die Jahre 170114 einebeispiellose Zunahme des holländischen Getreidehandels 257und meint, daß die Spekulation auf dem Weltmarkt Amsterdam in Kriegszeiten einen völlig zügellosen Charakter annehme.

d) Wir können in einer ganzen Reihe von Fällen dietatsächlich vorhandenen Beziehungen zwischen dem Amster-