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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere
Zur Bestätigung meiner Ansicht führe ich noch an, daßwir von einem anderen bedeutenden internationalen Korn-markt des 17. Jahrhunderts: Basel , genau wissen, daß er vorallem der Versorgung der Heere diente. „Die Baseler Kauf-leute wußten die Konjunkturen des Dreißigjährigen Kriegesstets von neuem zu Kornspekulationen zu verwerten. Siemögen das Getreide zum Teil aus der inneren Schweiz , haupt-sächlich wohl aus den am Kriege unbeteiligten französischenLanden bezogen haben.“ 262
Die Erwähnung der „Kornspekulation“ führt uns zurBetrachtung eines neuen Punktes weiter.
5. Nicht genug, daß einer der ersten Handelszweige,die auf breiter kapitalistischer Basis sich entwickeln, wesent-lich durch die Einwirkung der neuen Heeresbildungen zumBlühen gebracht wird: die Anforderungen, die die Verpflegungder Truppen an den Warenmarkt stellt, führen zu ganzneuenFormen desHandels, die bestimmt waren, diesemfür die nächste Zukunft sein eigentümliches Gepräge zuverleihen. Soviel ich nämlich sehe, entsteht das, was wireinen Lieferungs- oder Zeithandel nennen, im unmittelbarenAnschluß an die Bestellungen der Heeresverwaltung. Manverlegt die Anfänge dieser modernen Handelsformen gewöhnlichin das 17. Jahrhundert nach Holland und macht (wie das soüblich ist) die geographische Ausweitung der Handels-beziehungen für die Entstehung des Lieferungshandels ver-antwortlich. Demgegenüber ist die Tatsache festzustellen,daß Lieferungsverträge zwischen der Heeresverwaltung undEinzelkaufleuten oder Gesellschaften von Kaufleuten in Frank-reich und England bereits im 16. Jahrhundert häufige Er-scheinungen sind. Die Regierungen beider Länder gingenfast zu gleicher Zeit dazu über, die Beschaffung der Unter-haltsmittel für Heer und Flotte, die bis dahin staatlichenOrganen obgelegen hatte, auf den Handel abzuwälzen: zwischenProduzent (oder sonstigem Verkäufer) und Armeeverwaltung