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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere

eine große Buntscheckigkeit heraus. Jedem steht das Bildeines Haufens Landsknechte vor Augen, in dem jeder einzelneseinem absonderlichen Geschmacke in der Kleidung Ausdruckverleiht. (Nebenbei bemerkt: hier lebt sich noch der kreatür-liche Mensch mit freier Liebesgestaltung in Luxus und Launenaus: ungehemmt durch innere oder äußere Disziplinierung.)

Aber diese Mannigfaltigkeit der Kleidung reicht noch bisin das 17. Jahrhundert hinein. Seltsam muß das schwedischeHeer Gustav Adolfs ausgeschaut haben. Die einzige Ver-ordnung, die auf das Kleiderwesen Bezug hat, die vom Jahre1621, bestimmt:Die Soldaten schaffen sich dienliche Kleider,solche, die einem Kriegsmann anstehen, nicht so sehr aufden Stoff als darauf sehend, daß sie verständig gemacht seien.Doch heißen noch im preußischen Kriege die schwedischenSoldaten unansehnliche Bauernknechte wegen ihrer Bekleidung,und erst 1632 wurden die Schafpelze durch eine besonderePelzsteuer abgeschafft 310 . Aber auch die Armee des GroßenKurfürsten am Ende seiner Regierung war, wenigstens inmanchen Regimentern, noch recht weit entfernt von dem,was wir heute unter einer wohluniformierten Truppe ver-stehen.

In dem Musterungsbericht der Generale v. Schöning und v. Barfußvom Jahre 1683 heißt es von der Uniform der Garden (!}:

Die Mondirung ist allererst vor fünfviertel Jahren ausgetheiltworden, durchgehends aber und insonderheit bey den zwey Leibkom-pagnien zu schlecht, die Röcke und Ueberkleider sehen abgetragen undungleich aus, maaßen einige blau tuchene, andere lederne Hosen, einTheil runde, andere wiederum messingne Knöpfe, ein Theil licht, einTheil dunkelblaue Röcke hat . . , 811 .

Die Armeen des 17. Jahrhunderts trugen deshalb immernoch Erkennungszeichen irgendwelcher Art. Als solche dienten:die Feldbinden und Hutfedern der Anführer; die Fahnen undStandarten; und namentlich das sog. Feldzeichen, das heißtein Abzeichen, das man auf den Hut steckte 312 .

Wann bürgert sich die Uniform ein? Woher stammt