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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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158
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158 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere

Garonne seine Farben zu tragen gestattete. 1514 sind alle 60 Marinsder Rochelaise von St. Malo mit blauen und roten Jacken bekleidet,den königlichen Farben, während die spanischen Seeleute rot und gelbsind 316 .

Diesen Ursprung aus dem Bedientenverhältnis lassen diespäteren Uniformen der Truppen an dem Namen erkennen,der ihnen bis ins 17. Jahrhundert, ja noch darüber hinaus,gegeben wird: Livreen (Liverey, livröe royale, royal livery).Der Ausdruck Uniform bürgerte sich in der deutschen (!)Sprache erst etwa zur Zeit Friedrichs des Großen ein.

Als 1605 der Herzog von Braunschweig, Heinrich Julius , 16 000Fußstruppen und 1500 Reiter mustert, trugen alle dieLivrei und dieFarben des Herzogs 318 .

Die 600 Musketiere, die Oberst v. Kracht laut Bestallungsurkundevom 1. Mai 1620 anwirbt, erhalteneine Liverei von grauem Tuch mitblauen Schlägen 317 (während für die 400 Pikeniere offenbar keine Uni-form vorgesehen war).

Am 25. November 1679 beschloß der Hamburger Senat, die Stadt-soldatenmit gewisser Liberey zu versehen, d. h. sie einheitlich zukleiden 318 .

Noch im Anfang des 18. Jahrhunderts heißt es:Diese churfürst-lichen Trabanten zu Pferde ... in kostbarer churfürstlicher Liveree ... 319 .

Aber es hieße doch das Wesen der modernen Uniformganz und gar verkennen, wollte man in ihr einfach eine Fort-setzung oder Erweiterung der Bediententracht erblicken. Manmuß vielmehr einsehen, daß sie aus eigener Wurzel erwachsenist, und daß sie ihrem Geiste und schließlich auch ihrer Ver-körperung nach grundsätzlich in ein ganz anderes Gebietmenschlicher Interessen hineingehört als die Livree.

Die moderne Uniform, das ist die Hauptsache, ist eindurch und durch rationales Gebilde: sie ist geboren aus einerReihe ganz intensiver und ganz subtiler Zweckmäßigkeits-erwägungen heraus. Zweckmäßigkeitserwägungen zunächstmilitaristischer Natur.

Da war der rein äußerliche Grund: daß man an einerUniform eine Truppe leichter erkennen und leichter von deranderen unterscheiden konnte. Aber zu diesem äußerlichen