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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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II. Die Uniform

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gesellten sich schwerwiegende innerliche Gründe, die eineUniformierung der Heere nahelegten: die Uniform verleiht denTrägern, sagte man sich, ein Gefühl der Solidarität, dassie ohne die gleiche Tracht nicht besitzen. Diese Erwägungwurde ganz frühzeitig schon angestellt, als die Idee des altenAufgebotheers noch nicht ganz verblaßt war und sich in denGedanken einer allgemeinen Wehrpflicht der Landesunter-tanen zu transsubstantiieren im Begriffe war. Damals (im16. Jahrhundert) hebt Graf Johann von Nassau, der dasPrinzip der allgemeinen Wehrpflicht in seiner Schrift ver-focht, auch den Einfluß hervor, den eine Staatstracht auf dieStärkung des Selbstbewußtseins ausüben würde. Er wie derLandgraf Moritz von Hessen wollen, da die Wämser vonSeide zu sein pflegten, die Füsiliere nach der Farbe derwollenen Beinkleider unterscheiden 820 .

Verwandt, aber nicht identisch mit dieser Erwägung wardie andere, die später die großen Truppenorganisatoren an-stellten: wenn sie meinten, zur guten Disziplinierung einesHeeres gehöre die Uniform. Hier war es gleichsam eineheteronome Unterwerfung des einzelnen unter die Zweckedes Ganzen, die man von der Uniformierung erwartete, währendder Graf von Nassau eine autonome Hingabe durch sie ver-anlassen zu können hoffte. Ohne Uniform keine Diszi-plin: diesen Gedanken spricht Friedrich der Große einmal aus,als er den Zustand der Armee des Großen Kurfürsten be-schreibt 821 :Sa cavalerie avoit encore Vancienne armure enentier; eile ne pouvait gueres etre disciplinöecarchaque cavalier se pouvoyait de chevaux, dhabits et darmesdoii il rösultait une bigarrure ötrange pour tout le corps.

Die moderne militärische Disziplin, so haben wir schonwiederholt feststellen können, ist eine jener Mächte, die vonder Vorsehung berufen scheint, um demkreatürlichenMenschen den Garaus zu machen. Militarismus und Puri-tanismus, sahen wir, sind Zwillingsbrüder: weshalb auch eine