160
Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere
der ersten gut uniformierten Truppen die „Heiligen“ unterCromwells Führung gewesen sind.
Zu diesen, wie ich sie nannte, militaristischen Zweck-mäßigkeitserwägungen gesellen sich nun aber als Helfer diestarken Gründe der ökonomischen Ratio, die eben gleich-falls auf die Uniformierung hindrängen: die Gleichförmigkeitschafft die Möglichkeit des Massenbezuges und der Massen-herstellung, und diese gewähren zahlreiche Vorteile, derenwichtigster der niedrigere Preis ist. Als womit wir dann be-reits mit einem Fuß in das Gebiet der ökonomischen Be-trachtung des Bekleidungsproblems hinübergetreten sind, aufdem wir uns dann etwas mehr umsehen wollen. Aber einenAugenblick bitte ich den Leser noch sich zu gedulden, weil ichvorher noch mit ein paar Worten wenigstens sagen möchte, wiesich die äußere Geschichte der modernen Uniform gestaltet.
Diese Geschichte läßt sich in dem einen kurzen Satzzusammenfassen: Die Uniform dehnt sich in gleichem Maßeund in gleichem Schritt aus wie die Verstaatlichung des Be-kleidungswesens. Zunächst, das sehen wir schon, erscheintsie bei der Leibgarde. Dann scheinen die Städte ihre Truppenfast regelmäßig mit Uniformen oder wenigstens Uniformstückenausgestattet zu haben.
Eine andere Stelle, wo sieh die Uniform ebenfalls früh-zeitig findet, bilden die Aufgebotsheere. Die sächsischeDefensionsordnung von 1613 schreibt grauen Tuchrock mitrotem Kragen, kurze Tuchhosen und rote Strümpfe für dasFußvolk vor, und sogar für die Ritterschaft wurden Unter-scheidungen nach der Farbe der Waffenröcke und ihrer Besatz-streifen eingeführt 822 .
Bei den Unternehmerheeren des 16. und 17. Jahrhundertstritt häufig eine Uniformierung der einzelnen Regimenterauf: die Obersten haben das Bestreben, ihr Verkaufsobjektrecht ansehnlich zu machen, ihrer Truppe den Anschein derGeschlossenheit und Wohldiszipliniertheit zu geben. Später