Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

III. Vergrößerung, Zusammenballung und Uniformierung usw. 173

zum Teil: sie legte zwei eigene Färbereien an,so daß jetzttadellose Ware geliefert werden könne 85B .

Völlig wurden den Anforderungen der Heeresverwaltungenerst die ganz großen Soldatentuchfabriken gerecht, die währenddes 18. Jahrhunderts in Rußland entstanden und ähnlich wiedie großen Waffenfabriken erste Wahrzeichen größtbetrieb-licher Organisation wurden: die Moskauer Tuchfabrik vonSöegolin & Co. beschäftigt (1729) 730 Arbeiter und 130 Web-stühle; die Kasaner Tuchfabrik Mikljaevs hat 742 Arbeiter 856 .

So tritt uns auch hier das moderne Heer als Erzieherzum Kapitalismus entgegen.

Und was für die Tuchindustrie gilt, gilt gewiß auch füralle anderen Gewerbe, die an der Lieferung der Kleidung fürdie Armeen beteiligt waren.

So ist die Anregung zur Kleiderkonfektion, soweitdiese nicht Luxusindustrie war, auch von dieser Seite her-gekommen.

Wir hörten schon, daß im Jahre 1603 die englische Re-gierung einen Vertrag über Lieferung von 5000 Anzügenabschloß: einen Vertrag, der sich jährlich zweimal wieder-holte, also gang und gäbe war. Es mag noch erwähnt werden,daß die beiden Personen, denen sie die Lieferung übertrug,alsmerchant-taylors of London bezeichnet werden 857 . Einesder frühesten kapitalistisch betriebenen Gewerbe in London war in der Tat die Schneiderei, und wir dürfen als erwiesenannehmen, daß derjenige Teil der kapitalistischen Schneiderei,der nicht Luxusindustrie war (über die ich im ersten Banddieser Studien mich auslasse), Militärkonfektion gewesen ist.

Ebenso wie für das Landheer wurden auch für die Marineschon im 17. Jahrhundert fertige Kleider hergestellt: natür-lich ebenfalls auf kapitalistischer Basis. Im Jahre 1655 wirdverordnet, daß kein Schneider Kleider an Bord der englischenKriegsschiffe schicken darf ohne Lizenz der Navy Commissio-ners 858 usw.