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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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II. Die Menge der Schiffe

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Jahren, die Handelsflotte in England nur langsame Fort-schritte macht im Vergleich zu der Kriegsflotte. Währendsie zur Zeit der Tudors offenbar noch mehrmals so groß istals diese, wird ihr Raumgehalt um die Mitte des 18. Jahr-hunderts von dem der Kriegsflotte fast erreicht. Die Kraftder Nation ist während dieser Jahrhunderte fast ausschließ-lich auf die Entwicklung der Kriegsflotte verwendet worden.Diese zur Blüte zu bringen werden alle Mittel angewandt.Was für England gilt, gilt aber (vielleicht in erhöhtem Maße)für alle anderen Länder.

Aber die Überlegenheit der kriegerischen Interessen istnoch größer, als sie in dieser Verschiebung des Anteilverhält-nisses zwischen Handelsflotte und königlicher Flotte zum Aus-druck kommt. Es kann nämlich für den Kundigen keinemZweifel unterliegen, daß die Vermehrung der Handelsschiffeselbst ebenfalls noch zum guten Teil dem Militarismus zudanken ist. Offenbar wirkt die Aussicht, die Kauffahrtei-schiffe gegen gutes Chartergeld in Kriegszeiten der Regierungzur Verfügung stellen zu können, wirken ferner die Prämien,die die Regierung namentlich für den Bau großer Schiffeaussetzt aus militaristischen Gründen, als ein viel stärkererAnreiz auf die Schiffbauer als die Aussichten auf Handels-gewinn. Immer wieder machen wir die Beobachtung, daßdas Gewinnstreben, der Erwerbstrieb innerhalb des Wirtschafts-lebens in der früheren Zeit nicht annähernd die dynamischeWirkung ausübt wie heute; daß vor allem dem früherenMenschen nähere, greifbarere Gewinne in Aussicht gestelltwerden mußten, als es die normalen Handels- und Produktions-gewinne sind, um ihn zu intensiverer Tätigkeit anzuspornen:um Gold zu suchen, für Kaperzwecke, gegen bare Prämien,zum Verchartern baute man, um das, was ich hier im all-gemeinen sage, wieder auf unseren Fall anzuwenden, vieleher Schiffe, als um den russischen oder den levantinischenHandel auszudehnen. In dem geschäftlichen Alltagsleben