V. Die Organisation des Schiffbaues
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in kurzer Zeit kleine Mengen von Produkten liefern: wuchssich das verlangte Produktquantum aus, so überstiegenwiederum die Anforderungen die Leistungsfähigkeit des Hand-werkers. Wie er denn sehr bald versagte, wenn es sich umdie Erzeugung zusammengesetzter Güter von bestimmterGröße handelte.
Der Schiffbau wurde durch die militaristischen Interessennach allen drei Seiten hin entwickelt: mehr Schifte, größereSchiffe wurden verlangt und vor allem: sie wurden in kürzererZeit verlangt. Die Anforderungen der Handelsflotte hättedie handwerksmäßige Schiffbauern noch jahrhundertelangbefriedigen können. Durch die wachsenden Ansprüche derKriegsmarine wurde das Handwerk für den Schiffbau dis-qualifiziert, erst für den Bau der Kriegsschiffe selbst, dannin dem Maße, wie die Handelsflotte in den Strom der Ent-wicklung hineingerissen wurde und an der Kriegsflotte sichzu orientieren anfing, auch für den Bau von Kauffahrtei-schiffen.
Eine Wirtschaftsgeschichte des Schiffbaugewerbes fehltnatürlich, wäre aber wohl wert geschrieben zu werden. DasBild, das wir aus einem Studium der Quellen empfangen, istungefähr dieses:
Auf die handwerksmäßige Schiffbauerei, die sich normaler-weise in allen Seestädten gleichmäßig entwickelt hatte, folgtunter dem Druck der militärischen Interessen zunächst keinekapitalistische, sondern eine gemeinwirtschaftliche, staatlicheOrganisation des Schiffbaugewerbes, das viel eher eine aus-gesprochene groß- und größestbetriebliche Form erhält, ehees vom Kapitalismus ergriffen wird.
Schon in den italienischen seefahrenden Staaten ent-wickelt sich frühzeitig eine großartige staatliche Schiffbauerei.Speziell über den Schiffbau Venedigs im 14. Jahrhundertsind wir vortrefflich unterrichtet durch eine ausführlichezeitgenössische Darstellung des gesamten Produktionsprozesses,