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Sechstes Kapitel: Der Schiflbau
die uns erhalten ist 888 . Danach würde schon während desMittelalters in diesem (einzigen?) Gewerbe eine ganz groß-artige Betriebsorganisation geherrscht haben. Der Verfasserberichtet uns, daß zur Erbauung einer Galeere von 126'Länge (es handelt sich natürlich nur um Kriegsschiffe) „maestrisegadori 500 a far el bisogno de la dita galea, maestri 1000cioö marangoni (Stellmacher) chalefai (Kalfaterer) 1800 perforar e chalcar e pegolar“ erforderlich seien. Damit könnennatürlich nicht Arbeitskräfte gemeint sein. Wir werden viel-mehr mit dem Herausgeber der Denkschrift annehmen müssen:die Ziffern bedeuteten die Zahl der erforderlichen Arbeitstage.Dann kämen wir immer noch zu Arbeitermassen von schierunglaublicher Größe. Man muß nämlich beispielsweise folgendeRechnung anstellen: 40 Galeeren werden in einem Jahre neuerbaut (das ist nach den genauen Angaben, die wir über dieZahl der Schiffbauten in Genua aus dem 12. und 13. Jahr-hundert besitzen, sicher nicht zuviel gerechnet). Auf einerGaleere arbeiten nach den oben mitgeteilten Sätzen 28 Arbeiter.Auf der Werft würden also 1120 Kalfaterer, Säger und Stell-macher bei der Bauarbeit beschäftigt worden sein. Von denschon schwimmenden 60 Galeeren wird ein Viertel einerkleinen Ausbesserung unterworfen worden sein, an 30 werdenkleinere Reparaturen auszuführen gewesen sein. Was sicher1000 Arbeitern Beschäftigung gewährte. Dazu kommen nunnoch die Seiler, Segelmacher, Mastmacher, Schlosser, Schmiedeusw., von denen sicher ebenfalls ein großer Teil auf denstaatlichen Werften tätig war. Nehmen wir für sie auchnur ebenso viel Köpfe wie für die Holzarbeiter an, so kämenwir auf eine Gesamtarbeiterschaft von 2—3000 Mann: eine,wie gesagt, für mittelalterliche Verhältnisse geradezu märchen-hafte Ziffer.
Aber vielleicht haben wir in der Tat hier die erstenGroß- und Riesenbetriebe vor uns, in denen sich die europä-ische Menschheit wiederum aus der Vereinzelung des Hand-