Das Neueste ans dem Reiche des Witzes.
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Glieder des Dichters! Jeder Satz ist eine Schilderung, und jedesWort ein Bild. Betrachtet sie Stückweise. Eine Schönheit wird dieandre hervordringen, und jede bleibt groß genug, nnzähliche Anfangsnnbemerttc in sich zu enthalten, wann ihr mit der Zergliederung fort-fahret. So wird unter dem Schnitte des ncugicrigcn Naturforschersjeder Theil des Pvlypus ein neuer, und erwartet nur die wicderhohltcTrennung, auch aus seinen Theilen vollständige Ganze dem verwun-dernden Ange darzustellen. - - Die Vcrsart, welche der Dichter ge-wählt hat, ist eine Horazische, voller majestätischen WohlklangS, undnngemcin geschickt, die Gedanken so rund zu machen, als mög-lich. Die drey ersten Zeilen sind Asclcpiadcisch und die vierte Elyco-nisch. llcbcrall ist der Werth der Sylben und der Abschnitt genaubeobachtet worden, welches man um so vielmehr bewundern muß, jeungewohnter bisher die deutsche Sprache der römischen Fesseln gewesenist. Diese Genauigkeit scheint unumgänglich, wenn ein bardischesOhr die kunstreiche Harmonie eines Flaccus fühlen soll. Wir wollendie erste Strophe bezeichnet hersetzen, in Hofnung, daß wir einigenLesern damit einen Gefallen erweisen.— — ^ ^ ^ ^ ——Welchen j Köuig der Gott j über die Könige
Mit entweihenden Blik j als er gebohjrcn ward,
Vom Ojlympns her sah,j der wird ein Mcnjschenfrcund
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Und des j Vaterlands Vajtcr seyn.
Sogar in dem Vorbcrichte zn der Ode herrscht eine gewisse unge-zwungne Hoheit, welche an der Spitze eines Gedichts, wie der Mes-sias ist, sehr wohl läßt. ,/Der Rönig der Däne»/ heißt es, hat„dem Verfasser des Mcßias, der ein Deutscher ist/ diejenige Mnsse„gegeben, die ihm zu Vollendung seines Gedichts nöthig war." - -Ein vorlreflichcs Zeugniß für unsre Zeiten, welches gewiß auf dieNachwelt kommen wird. Wir wissen nicht, ob alle Lcntc so viel Sa-tyrc danune sehen, als wir. Wir wollen uns also aller Auslegungenthalten. Vielleicht daß wir mehr sehen, als wir sehen sollten. - -Nur eine kleine Anmerkung von der nördlichen Verpflanzung der witzi-gen Köpfe. - - Doch auch diese wollen wir unterdrücken.
Der vierte Gesang enthält die Bcrathschlagnng des jüdischen Syn-cdriums, die Ncrrälhcrcy des Judas, das letzte Abcndmal der Jün-ger mit Jesu, seinen Gang nach dem Oclbergc - - KaiphaS hatte ei-
Lessmgs Werke in. 14