Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
210
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2lN Das Neueste aus dem Reiche des Witzes,

neu Traum vom Satan gehabt; voller Angst lag er ans dein Lager,und warf sich ungestüm nnd voll Gedanken herum.

Wie tief in der FeldschlachtSterbend ein Gottesleugner stch walzt; der komnicnde Sieger,Und das bäumende Roß, der rauschenden Panzer Getöse,Und das Geschrey, nnd der Tödtendcn Wut, und der donnernde HimmelStürmt über ihm; er liegt und sinkt mit gespaltenem HaupteDumm und gedankenlos unter den Todten, und glaubt zu vergehen.Trans erhebt er sich wieder, und ist noch, und denkt »och, und fluchet,Taß er noch ist, und spritzt mit bleichen sterbenden HändenBlut gen Himmel, Gott flucht er, und wollte ihn gerne noch leugnen.Also betäubt sprang Kaiphas auf, und ließ die VersammlungAller Priester und Acltstcn im Volke schncll zu sich berufen, -c.Wie vortrcflich ist dieses Glcichniß ausgemahlt! ES ist eines vondenen, welches der Tichtcr mehr als einmal braucht, und immer anseiner neuen Seite schildert; so wie Virgil den Löwen - - ES würdeeine Beleidigung gegen unsern Leser seyn, wenn wir mehr Stellen aus-ziehen wollten. Wir würden zu glauben scheinen, ein Mensch vonGeschmack könne sich mit abgcrißncn Stücken begnügen.

Der fünfte Gesang enthält die Leiden Jesu auf dem Lelberge.Tic Wahrheit zu gestehen, diese war eine von den Stellen, wo wirden Dichter erwarteten. Er hat unsre Hofnung, er hat sich selbstübertreffen. Sine» einzigen Ort wollen wir bemerken, wo er einenKunstgrif anwendet, den man bey dem Virgil für eine Unvollkommen-heit ansieht - - Gott war auf Tabor herabgcsticgen, mit dem Me-ssias ins Gerichte zu gehen, und die Sünden alle hatten sich vor ihmversammelt.

Aber Gott dachte sich selbst, die Ecisterwclt, die ihm getreu blieb;Und den Sünder, das Menschengeschlecht. Ta ergrimmt er, und

stand jetzt

Hoch ans Tabor und hielt den erzitternden Erdkreis,

Daß er nicht vor ihm verging.Hier bricht er den Vers ab; und dieser Ruhepunkt läßt dem LeserFeit, sich von der Last dieses schwängern Gedankens, den der Dichterselbst nicht bis an das Ende der Zeile fortzuwälzen gewagt hat, zuerholen. Wann alle die halben Verse bey dem Virgil, welche seineAusleger Stuyen (tiineines) nennen, von gleicher Beschaffenheit>