Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

Das Neueste aus dem Reiche des Witzes.

Wann nach erkannter Treu des Hirten

Die Tugend selbst ihn kränzt mit Myrten,

Und die Vernunft redt wie das Herz.Wann zärtlich Wehren, holdes Zwingen,

Verliebter Dicbstal, reizend Ringen

Mit Wollust beyder Herz berauscht,

Wann der verwirrte Blick der Schönen,

Ihr schwiinmcnd Aug voll seichter Thränen,

WaS sie verweigert, heimlich heischt.Du seufzest, du fühlest die snssc Ilnnähcrung des Vergnügens! Liebe,wie anbctcnSwürdig bist du! Wann dein Vild Begierden erweckt,waS wirst dn nicht selbst thun?"

Du seufzest, Doris! wirst du blöde?

O selig! flößte deine Rede

Dir den Geschmack des LicbcnS ein!

Wie angenehm ist doch die Liebe!

Erregt ihr Bild schon zarte Triebe,

Was wird das Urbild selber seyn.Genieße, PhylliS, genieße deiner Rcitzc: nur schöne für sich seyn,heißt schöne zur Qual der Mcnschcn seyn."

Mein Kind genieße deines Lebens,

Sey nicht so schön für dich vergebens,

Sey nicht so schön für uns zur Qual.Fürchte weder die Liebe noch den Geliebten: du bist einmal Mci-sterin von meinem Herze; du wirst cS ewig bleiben. Die Tugend er-hält leicht diejenigen, welche die Schönheit besiegt hat.

Zu dem was hast du zu befahren?

Laß andre nur ein Herz bewahren,

DaS, wcrs besessen, leicht verlässt.

Du bleibst der Seelen ewig Meister;

Die Schönheit fesselt dir die Geister,

Und deine Tugend hält sie fest.Wir müssen noch einige Strophen weglassen, welche er eben so getreu-lich untreu abgeschrieben hat. Ich weiß nicht waS der für eine Stirnehaben muß, welcher sich fremde Gedanken auf eine so unerlaubte Artzueignet? Was für eine Beleidigung gegen einen tugendhaften Dichter,seine unschuldigen Empfindungen unter priapcischc Ausrüstungen vcr-