Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. 237
Von hoher Weisheit singen;
Ich kann nicht muntres Scherzen
Mit Wissenschaft zu zieren,
Nach Hagedorns Exempel,
Viel lesen und viel denken;
Ich kann mit Schlegels Fleissc
Mit Schlegels großem Geiste
Kein Trauerspiel erfinden,
Ich kann nicht Fabeln machen,
Wie Gcllert zärtlich suhlen,
Wie Gcllert edel denken;
Was Henker soll ich machen
Daß ich ein Dichter werde?
Gedankenleere Prosc
In ungereimten Zeilen
In Drcyqnersiugcrzcilcn
Von Magdchen und von Weine
Von Weine und von Mägdchen
Von Trinken und von Küssen
Von Küssen und von Trinken
lind wieder Wein und Mägdchen
lind wieder Knß und Trinken
Und nichts als Wein und Mägdchen
lind nichts als Kuß und Trinken
Und immer so gekindert,
Will ich halb träumend schreiben.
Das hcisscn unsre Zeiten
Anakrcontisch dichten.Sie glauben nicht M. H. wie leichte mir diese anakreontischc Odegeworden ist. Ich dächte unsere anakreontischc Dichter könnten ihrerin einem Jahr mehr machen als ein Nürnberger Künstler Stecknadelnoder GlaScorallcn. Aber ich sehe auch mit Betrübniß, daß manchervortrcflichc Kopf der ein großer Anatreonte werden würde, ans Man-gel des Unterrichts zurück bleibet. Letztens hörte ich beym Spatzieren-gehen ein Paar Kinder folgendes Liebchen fingen;
Gnckt er nicht raus guckt sie doch ranS,
Guckt sie nicht raus guckt er doch raus. V. A.