Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
241
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Das Neueste ans dem Reiche des Witzes. '.>4t

wahren Liebe sind.Von den Rcitzcn einer jungen Schönheit gcblcn-der bleibt man bey dem ersten Blicke unbeweglich, bczanbcrt- DasHerz fühlt die Annäherung der Liebe; die Sinne werden verwirrt,die Stimme wird schwach; das Herz scheint sich loSzurcisfcn, und demGegenstände nachzufolgen. Alles erneuert dem Auge das Bild davon;alles mahlt euch feine Rcitze, alles redet euch von ihm. Abwesendbetet ihr sie au; sie ist gegenwärtig und ihr erbleichet. Eure ge-mciusicu Reden scheinen verworren; ihr drückt viel aus und empfin-det noch mehr. Zeigt sich einige Hofnnng, die Furcht theilet sie.Furchtsam, ungewiß, voll von einer redenden Verwirrung, fallen dieBlicke nur zitternd auf sie. Ja gewiß, dieser ist der bczan-bcrude Gegenstand, welcher euch zu gefallen, gcbohrcn ward. Undhat cm solches Schicksal unter so viel Rcitze ein für die Tugend ge-bildetes Herz verborgen, ist ihr Geist eben so groß als ihre Schön-heit, so liebt, so unterwerft euch ohne Murren."--Allein wie

oft widersetzen sich Gcitz und Hochmuth dem Fortgange der Liebe.Glückliche Zeiten der ersten Welt, da ein König, wen» er liebte,nicht seine Krone, sondern die Heftigkeit seiner Liebe pries;!Hierauf beschreibt der dichter die Sprache der Augen, die ersteSprache der Verliebten, ihre Gewalt und ihre Bequemlichkeit. Wodie Augen antworten, da ist das Herz nicht taub. Doch jemchr eineSchöne nicht hintcrgangcn zu werden wünschet, desto mehr fürchtetsie es. Auf der Art des Angriffes beruhet das meiste; ein Herz dasman wohl angegriffen hat erobert man gewiß. Man verschaffe sicheine erste Zusammenkunft; man drücke sich lebhaft und ungezwungenans. Eine übel aufgenommene Erklärung muß die Hofnuug nicht be-nehmen. Gebt mehr auf das übrige Betragen der Schönen Acht, alsauf ihre Rede. Schreibt ihr, wenn sie zu sprechen unmöglich ist.Die Liebe war es ja, welche die Kunst die Worte abzumalen und denTon sichtbar zu machen erfand. Nunmehr zeigt der Dichter, was fürMittel auzuwcuden sind, wann die Schöne hartnäckig darauf besteht,unempfindlich zu scheinen. Er erläutert seine Lehre mit einem Bey-spiele des Herzogs von Nemours uud der Priuzcßin von (5lcvcs.Eine angenommene Gleichgültigkeit lockt das gchcimnißvollcsic Herz aus.Was feste genug zu seyn scheinet hält man nicht; man hält nur das,wovon wir fürchten, cS möchte nuS entwischen.

Die Glieder des zweyten Gesanges sind folgende. Die Gelegenheit'.'e>'«in>;sWcl'kcIIl. 10