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3 (1838)
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244
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244 Das Neueste ans dein Reiche des Witzes.

Liebhaber haben muß, wenn er gefallen will. Der Dichter fangt miteiner doppelten Allegorie der lasterhaften und nichtigen, und der wei-sen und dauerhaften Liebe an. Vor allen muß man sich bemühen denCharactcr des geliebten Gegenstandes zu erforschen.Seine Geliebtezu bezwingen, muß man aufmerksam ihr zu gefallen, und von seinemVorsatze ganz erfüllet seyn; nach ihrem Geiste, nach ihrem Geschmackemuß man sich falten, denken, lieben, handeln wie sie, und sich ganzin sie verwandeln. Ist sie eine Schülerin der ernsten Weisheit, trägtsie in ihrem Herzen ein langsames Feuer, welches sie bcstrcitet? Echtnicht allzntnhn fort, und schonet ihre Tugend. Vereinigt sie mit derLiebe einen philosophischen Geist? Redet, den Malcbranchc in derHand, nichts als Metaphysik. Tadelt sie? Tadelt. Lobt sie? Lobt.Tanzet sie? Tanzet. Singt sie? Singet. Mahlt sie? bewundert ihreWerke. Licsct sie cnch ihre Verse? verschwendet die Lobeserhebun-gen." Diese Erforschung der Charaktere muß auf beyden Thci>lcn seyn, und keines muß glauben, der Verstellung berechtiget zn seyn.Wer tugendhaft ist der scheint es, nud die Vcrbcrgung der wahrenGestalt ist ciu gewisser Beweis von ihrer Häßlichkeit. Man bestrebesich also durch Verdienste licbcnSwcrth zu werden ; aus der Hochachtungentspringt die Liebe; man habe die Gesinnungen und die Aufführungeines Mannes, der die Well kennet; man trotze nicht ans äußerlicheVortheile, die nur von allznknrzcr Dauer sind; man schmücke seinenGeist mit dancrhaftcrn Reizen; man verbinde mit der Zärtlichkeit desWitzes großmüthige Gesinnungen des Herzens; man fliehe das gezwun-gene Betragen eines Stutzers; man sey gleichförmig in der Aufführung;man prahle nicht mit Metaphysik und Versen, eine Prahlcrey, die derüble Geschmack zu rechtfertigen scheinet; man vermeide den lächerlichkostbaren Ton der Reologistcn; man sey kein Lustigmachcr, der diegeringsten Fehler auch seiner Freunde anfallt; die Wahrheit wohne al-lezeit auf den Lippen; nie komme ein Ausdruck in den Mnnd, der dieSchamhaftiglcit roth macht und die Unschuld zum Schaudern bringt;man halte sich zn Grossen, deren Umgang die Schule der Tngcnd und

Artigkeit ist.---Hier ist der Dichter gedoppelt ciu Dichter; nud

die Schmcichclcycn die er diesem und jenen französischen Hofmannc macht,

den er mit Namen nennt, sind nicht zu übersetzen.--Doch die Welt

allein bildet einen vollkommenen Menschen nicht. Das Lesen der bestenSchriftsteller muß dazu komme». La Fontaine , Molicrc, Racine, Rc-