Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. 261
er das Diploma noch nicht erhalten; und ist es, zu dessen Beweise,nicht genug, daß ihn noch kein G - - - dafür erkennet? Siehe denVvurmsaamen, den ersten Gesang. (5s ist also gewiß, daß nnninchrder leere Raum in der Deutschen Dichtkunst durch diejenige hochfrcy-herrlichc Feder glücklich ausgefüllet worden, welche uns den Herrmannin den so natürlich fließenden trochäischcn Versen, in 12 Büchern, wieNirgil seine AcnciS, geliefert hat.
Aber zn gleicher Zeit erschien auch noch ein anderes Heldengedicht,der Ninirod des Herrn Naumann/ welcher schon über 1l? Jahr aufdie Presse gewartet hatte. Welch ein Reichthum eines poetischen Wi>tzcS wird nicht dazu erfordert, von einem Heiden, von welchem unsalle Geschichte weiter nichts erzählet, als daß er ein gewaltiger Jägervor dem Herrn gewesen, ein Heldengedicht von ganzen 24 Büchern zuschreiben! Zu was für schonen Episoden hat nicht dieser Mangel in derGeschichte dem Dichter Gelegenheit gegeben, welcher die Ausmcrksamkcitdes Lesers bald mit einem todten und wieder aufcnvccktcn Pferde,bald mit dem noch vor der Sündflut im Gebrauch gewesenen grobenGeschütz, bald von dem Tanbenschlagc eines glückseligen Schäfers, baldvon der Eapellc des Nimrod, bald von dessen Hofnarren, welcher sei-nen hölzernen Säbel auf der rechten Seite stecken hat, und mit tau-send andern belustigenden Erdichtungen, unterhält! Der Dichter hatseinem Witze völlig den Lanf gelassen, und sich mit den Reimen nichtabgegeben, sondern HcramctcrS ohne Füße erwählet, an welche er sichaber auch nicht so genau gebunden, daß er nicht öfters Lctametcrsuud Pentameters hätte sollen mit unterlaufen lassen. Ich schäme mich,mein Herr, daß ich Ihnen Neuigkeiten aus dem Reiche des Witzeserzählen soll, welche Sie Ihren Lesern zuerst hätten erzählen sollen.
Dahin gehöret auch die neueste und letzte Ausgabe der kritischenDichtkunst des berühmten Hrn. Prof. Gottscheds. Ja, mein Herr,dieses ist die allerletzte Ausgabe, oder vielmehr die letzte Umgicßungderselben. Herr Gottsched hat dieses selbst fcycrlich versichert. Er hattein den bisherigen Ausgaben so vieles weggenommen, hinzu gesetzt uudverändert, und doch wusic er selbst nicht, woran es doch liegen müßte,daß sie noch nicht für vollkommen erkannt werden wollte. Endlichbesann er sich, daß es in derselben noch an Anweisungen zu Sechstin-ncn, Ringelrcimcn, Madrigalen, und andern dergleichen poetischenMarcipancn, fehlte. Diesen Mangel nnn hat er in dieser neuen Aus-