Vorrede zu Johann Hn.nts Prüfung der Köpfe :c. 259
sich der lateinische Ucbcrsctzcr blos »ach der letzten Ausgabehätte richten sollen, so hat er alle in eine zusammen gcworffcn,und an den meisten Orten das Werk so dunkel, verwirrt undwidersprechend gemacht, daß man es nicht anders als mit Eckcllesen kann. Darf man sich also wundern, daß er sich durchdieses Verfahren sogar in den Verdacht gesetzt, als habe er seinOriginal verfälscht und von dem scinigcn vieles hinzugesetzt?Ich wurde ihm über dieses noch Schuld geben, daß er an un-zählichcn Orten den Sinn des Spaniers verfehlt habe, wennman dieses nicht für einen Kunstgrif, meiner Arbeit dadurcheinen Vorzug zu geben, ansehen möchte. Wenigstens aber wirdmir dieses zu sagen vergönnt seyn, daß eine von den vornehm-sten Ursachen, warum ich mich an eine deutsche Ucbcrsctzung ge-macht, eben der geringe Werth der lateinischen an der man sichbisher hat müssen begnügen lassen, gewesen sey. Das Buch ansich selbst hat seine Bortrcflichkcit noch nicht verloren, ob gleichdie Art zu philosophircn welche man darinnen antrift jctzo ziem-lich ans der Mode gekommen ist. Es ist immer noch das ein-zige welches wir von dieser Materie, deren Einfluß in die ganzeGelehrsamkeit ganz unbeschreiblich ist, haben. Und so gewiß esist, daß Väter und Lehrer unzählige Wahrheiten, welche vielzu fein sind als daß sie durchgängig bekannt scnn sollten, darauslernen können, so gewiß ist es auch, daß man mir nicht etwasübcrflüßigcS gethan zu haben vorwerfen kann.
Wann übrigens Hn«rr auf der 88. Seite dieses Werks be-hauptet, daß es nur den grossen und erfindenden Genies er-laubt seyn solle, Bücher zu schreiben, so m»ß er sich ohneZweifel selbst für ein solches gehalten haben. Sollte man ihnmm nach seinen eignen Grundsätzen beschreiben, so würde manvon ihm sagen müssen; er ist kühn, er verfährt nie nach dengemeinen Meinungen, er beurtheilt und treibt alles auf einebesondre Art, er entdecket alle seine Gedanken frey und ist sichselbst sein eigner Führer. Man weiß aber wohl daß solche Gei-ster auch auf unzählige Paradora verfallen; und der billige Le-ser wird sich deren eine ziemliche Anzahl auch hier anzutreffen,nicht wundern. Man überlege das Jahrhundert des Verfassers,man überlege seine Religion, so wird man auch von seinen
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