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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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I. Statistik.

die ernsllichsle Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird: nämlich mit derFrage der menschlichen Freiheit.

Dies Problem hatte bereits im Altertum die griechischen Schulenbeschäftigt, es war dann in die Hände der Kirchenväter übergegangen,es hatte den Reformatoren die bekannten Schwierigkeiten bereitet, eswar bei den neueren Philosophen wieder aufgetaucht, und nun sollte esdurch Quelelet auch in das Reich der exakten Naturforschung eingeführlwerden. Ermüdet, wie es schien, hatte sich die mathematische Richtung,die am Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich blühte, von dem spe-kulativen Gezänk abgewendet und gehofft, es sei durch das Rekenntniseiner rein mechanistischen Weltanschauung möglich, den ganzen Zweifel,ob Freiheit oder Unfreiheit, zu umgehen. Wenn nur erst die beobachten-den und insbesondere die messenden Wissenschaften sich auch auf denMenschen und vor allem auf den handelnden Menschen ausdehnenwürden, dann, dachte man, würde sichs zeigen, daß der Mensch auchin seinem Handeln das blinde Werkzeug noch unerkannter Gesetze sei.Man freute sich auf diesen letzten Erfolg wie auf die Krönung des Ge-bäudes, und als nun Quetelet mit seinem WerkÜber den Menschenhervortrat worin die Statistik als jene lang entbehrte Ausdehnungder exakten Wissenschaften gefeiert und das Ergebnis gewonnen wird,daß auch der handelnde Mensch Gesetzen folgt und gleichsam das be-wegte Atom der Gesellschaft sei da glaubte man nicht anders, als derlang ersehnte Held sei gekommen.

Indessen, wie im vorhergehenden Jahrhundert die englische Auf-klärung in Voltaire ihren europäischen Verkünder gefunden hatte, somußte die Errungenschaft des französischen Geistes erst in Ruckle ihrenHerold finden, der an der Spitze seines Werkes über die G esc hichte derZivilisation die neue Lehre mit hinreißender Reredsamkeit verkündete:Wir sind auf falschem Weg mit unserer künstlerischen Auffassungder Geschichte; wir sind auf falschem Weg mit unserer spekulativen Be-handlung der Psychologie; was wir brauchen, können wir von den Natur-wissenschaften lernen; es ist Induktion, Induktion, Induktion. Besinnteuch, was die unzählbaren Schriftsteller über Ethik zutage geförderthaben: es ist so gut wie nichts. Wie ganz anders sind die realistischenDisziplinen fruchtbar: seht die Moralslalislik an, sie hat uns in wenigenJahrzehnten weiter gebracht, als die spekulativen Wissenschaften ingleich vielen Jahrtausenden. Sie zeigt uns, daß die Willensfreiheit nurdie Ausgeburt von Querköpfen ist, die sich hartnäckig gegen die Er-