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I. Statistik.
Franzosen für schief und unhaltbar; denn sie beruht auf der unerlaubtenUmkehrung eines an sich richtigen Satzes. Es läßt sich nämlich zwarnicht leugnen, daß, wenn solche äußere zwingende Gesetze beständen,dann allerdings eine regelmäßige Wiederkehr der Verbrechen, der Hei-raten, der Selbstmorde usw. staltfinden müßte. Aber es ist falsch, zusagen, daß die bestehende Regelmäßigkeit nur aus solchen äußeren Ge-setzen sich erklären lasse. Denn für den genaueren Denker verrät dieregelmäßige Wiederkehr gleichgroßer Wirkungen weiter nichts, alsdas Fortbestehen gleichstarker Ursachen, ob es nun äußere seien oderinnere. Wenn die Franzosen kühn genug sind, aus dem Fortbestehengleichstarker Ursachen bereits zu schließen, daß die Ursachen von außenkommen, so machen sie aus dem Wiesehr ein Woher; aber es gelingtuns wohl noch, sie zu überzeugen, daß ihre Logik nichts voraus habe,vor der Logik anderer Völker.
Da aus der bloßen Befrachtung der Regelmäßigkeit noch nichts überdie Herkunft der hier wirkenden Ursachen zu schließen ist, so wird ersteine eingehendere Untersuchung des Tatbestandes entscheiden, ob wirunsere Stimme für äußere oder für innere Bestimmtheit der Hand-lungen abgeben.
Die Annahme äußerer Gesetze, die den handelnden Menschen astro-nomisch beherrschen, ist nun freilich die bequemste; denn sie befriedigtvor allem durch ihren Radikalismus; aber sie ist doch so gewaltsam,daß sie sich kaum wird halten lassen. Denn einmal ist die Regelmäßig-keit gar keine so streng durchgeführte, wie die in der Bewegung derHimmelskörper. Die Regelmäßigkeit ist ferner in jeder anderen Gruppevon Erscheinungen eine andere: wenn man statt von Verbrechen imallgemeinen zu reden, vielmehr von Totschlag, Diebstahl ojler Fälschungspricht, so kommt es zum Vorschein, daß die Häufigkeit jedes einzelnenVerbrechens eine andere ist: man hätte also für jede Gruppe ein be-sonderes Gesetz und folglich im ganzen mit einem so verwickelten Kom-plex von Gesetzen zu tun, daß diese Annahme ganz den Charakter derEinfachheit verliert. Zugleich hätte dieser Komplex von Gesetzen einehöchst sonderbare Ähnlichkeit mit dem, was man findet, wenn manden Menschen nach inneren Motiven handeln läßt: denn es wäre docheine auffallende prästabilierte Harmonie, daß die äußeren Gesetze denMenschen gerade zum Holzdiebstahl verleiten, wann es kalt, und zumBroldiebstahl, wann Teuerung ist.
Gegenüber diesen Konflikten mit dem gesunden Menschenverstand,