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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Ouetelet als Theoretiker.

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Aus Hililebrands Jahrbüchern Bd. 18 (1872).

Wenn man mit einem Schlagwort bezeichnen wollte, was eigentlichden Inhalt der Bestrebungen Quetelets bildet, so könnte man keinkürzeres wählen als die Frage, ob der Mensch und die menschliche Ge-sellschaft Gesetzen unterworfen seien. Es ist indessen während des letzt-vergangenen Menschenalters nicht dieser Gedanke allein, sondern auchdie Fassung desselben allen Gebildeten so geläufig geworden, daß manselbst dann nichts Neues mehr sagt, wenn man auf die Unbestimmtheitund Vieldeutigkeit aufmerksam macht, oder vor leichtfertiger Miß-deutung derjenigen warnt, die nur einige Ziffern zu sehen brauchen,um sogleich in ihren Eifer für das Gesetz zu verfallen. Denn fast alle,die auch nur in entfernterer Berührung mit der Statistik stehen, habenbereits diese ersten Wallungen überstanden und öffentlich kundgetan,daß man die Tragweite statistischer Untersuchungen, wenn nicht über-schätzt, doch auf der unrichtigen Seite gesucht habe, und allgemeinkommen sogar die älteren Schriftsteller, die Quetelets Vorgängerwaren, wieder mehr zur Geltung.

Es ist nicht die Aufgabe dieses Beitrages zur Literaturgeschichte,die Gründe jener Wendung darzulegen, noch weniger eine bloße Be-kenntnisschrift zu liefern; wohl aber schien es an der Zeit zu sein, dieLeistungen des ersten Theoretikers, der im Gebiete der Statistik neuerenSinnes auftrat, kritisch zu würdigen, da längst eine stattliche Reihe vonwissenschaftlichen Leistungen späterer Schriftsteller hierzu auffordert,die sich alle trotz der verschiedensten Ansichten auf ihn als ihren Meisterberufen. Vielleicht gelingt es uns, zu zeigen, daß nicht dieser oder jenervon seinen Anhängern als seine Schüler darf man sie kaum be-zeichnen die rechte Lehre des Meisters bewahrt, sondern daß jedervon ihnen eines Stückes derselben teilhaftig ist, und wenn sie einanderwidersprechen, so ist es vielleicht, weil die Stücke schlecht aneinanderpassen, da das Ganze nicht recht abgeschlossen war. Auch weniger daraufist es abgesehen, den schuldigen Dank zu wiederholen, der allen gebührt,welche dieser nur gelegentlich gepflegten Disziplin in ihrer großen Be-dürftigkeit dauernd zu Hilfe kommen. Die allgemeinste Übereinstimmungherrscht ja darüber, daß Quetelet die Statistik erneuert hat, und daß