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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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I. Statistik.

182 g vergleicht er Frankreich und England sowie Frankreich und dieNiederlande , untersucht die Geneigtheit zum Verurteilen bei Richternund Geschworenen, unterscheidet die Häufigkeit der schweren Verbrechenund der leichten, und kennt die größere Strenge der Gerichte für Eigen-tumsverbrechen. In der Abhandlung von i 83 i spricht er vom Einflußdes Schulunterrichts und des Klimas, der Jahreszeiten und des Ge-schlechtes auf die Häufigkeit der Verbrechen, und im Jahre i 833 ver-gleicht er die belgischen Provinzen untereinander. Doch da dies allesmehr zur Auffindung der Tatsachen als zur Theorie gehört, so genügtes, daran erinnert zu haben.

Anders verhält es sich mit einem Lieblingsgedanken, den Queteletals sein unbestrittenes und unbeneidetes Eigentum in Anspruch nehmendarf. Das häufige Lesen der ÜberschriftPenchant au crime, Hangzum Verbrechen, hat niemals den befremdenden Eindruck verwischenkönnen, den man beim ersten Anblick empfindet; nicht minder ist dasder Fall mit dem technischen AusdruckTendance au mariage, Triebzur Ehe, der in Quetelets zweiter Periode auftritt. Man kennt denHang zum Genuß geistiger Getränke, den Hang müßig zu gehen, undwas von Hang und Trieb noch sein mag: aber alle Betrachtungen überdas Verbrechen mit dem Wort Penchant au crime zusammenzufassen,wie Quetelet i83i tut, i835 und 1869 wiederholt: das muß fastauf die Vermutung führen, als denke er sich in jedem Menschen einenbesonderen Trieb, ähnlich wie Galls verschiedene Sinne, wirksam, ver-möge dessen die Handlungen, welche man als Verbrechen bezeichnet,verübt werden. Wozu diese Annahme, da doch jene Handlungen nurVerbrechen sind im Sinne der sie beurteilenden und verurteilenden Ge-sellschaft. An sich betrachtet sind es Handlungen der allerverschiedenstenArt, deren Zweck zum Beispiel Herbeiführung eines physiologischenEreignisses sein kann wie beim Totschläger und bei der Vergifterinoder Einleitung eines ökonomischen Vorganges wie beim Fälscherund beim Dieb. Man mordet nicht aus Neigung zum Morden, manstiehlt nicht aus Neigung zum Stehlen. Schon weil es nur Spiel mitWorten ist, darf man von keinem Hang zum Verbrechen reden.. Esist aber auch deshalb verkehrt, weil es auf eine gemeinsame Quelle, seies auch nur der gleichnamigen Verbrechen, hinzuweisen scheint, währendman mordet aus Neid, aus Habsucht, aus Haß, aus Rache. Theologenfinden sich beim Hang zum Verbrechen angenehm an die Erbsünde erinnert: nimmt man aber als Kern dieses Dogmas auch nur die Zu-