Quetelet als Theoretiker.
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die letztere zugleich einen Übergang zu den Vorstellungen über die Ge-sellschaft, da sie sich auf das Nebeneinandersein der Individuen bezieht.
Es versteht sich von selbst, daß die Vererbung der Eigenschaften,welche bei der Fortpflanzung des menschlichen oder irgendeines anderenGeschlechtes stattfindet und als „Erhaltung der Art“ bezeichnet wird,nur aufgefaßt werden kann als eine Einrichtung, nicht aber als einzufälliges Ergebnis. Auch ist es in jüngster Zeit oft betont worden, daßdie Erbschaft der Eigenschaften nicht unbedingt angetreten wird,sondern daß aus dem überkommenen Vorrat nur das sich erhält, wasdem gedeihlichen Fortkommen des Erben förderlich ist. Man wird sichdemnach die Exemplare einer Gattung nicht als unbedingt einandergleich, sondern als langsam im Laufe der Zeit und je nach den Um-ständen des Ortes veränderlich, innerhalb fraglicher Grenzen, vorstellen.
Quetelet verkündet nun seinen mittleren Mensohen als den Typus.Da er denselben auch für nicht unveränderlich erklärt, so scheint es,als fasse der ihn auf als dasjenige Bild, welches an gegebenem Ortzu gegebener Zeit eigentlich gemeint, aber aus tausenderlei Störungennioht ganz getroffen werde. Leider fehlen die näheren Erläuterungen.Möchten daher auch hierüber die Anthropologen sich vernehmen lassen.Uns Laien kommt es eigentümlich vor, hier ein Ziel aufgestellt zusehen, das die sonst so sicher schaffende Natur nicht sowohl trifft, alsvielmehr stets verfehlt. Was soll ferner ein veränderlicher Typus? Hörtder Typus nicht auf ein Typus zu sein, wenn er sich ändert? Oder ist-unter Typus nur verstanden, was man sonst einen Repräsentanten nennt?In letzterem Falle läßt sich zweifeln, ob nicht als Repräsentant einTräger hervorragender Eigenschaften vor dem farblosen Mittleren denVorzug verdiene. Kurz, der Verfasser bleibt uns hier unverständlich.
Vollständig klar sind dagegen seine Vorstellungen von der Verteilungder einzelnen um das Mittel 8 . An der Körpergröße des Menschen läßtsich davon das einfachste Beispiel geben. Wenn man die zwanzigjährigenRekruten eines Jahrganges mißt und in Gruppen ordnet je nach derAbweichung vom Mittel nach oben oder nach unten (also je eine Gruppeetwa für die, welche um o—i, i — 2, 2 —3 usw. Zentimeter kleiner sindals das Mittel, und je eine Gruppe für die, welche um o—1, 1 — 2, 2 —3Zentimeter größer sind als das Mittel) und nun die Mitglieder jeder
8 Vgl. hierüber die gemeinverständliche Darstellung in der Anzeige des Werkes„Anthropometrie“ von 1870 in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Sta-tistik, Bd. XVII, S. 160.
Knapp.
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