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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Quetelet als Theoretiker. 3o

welche in Beziehung auf die Körpergröße blind war, denn unser Merkmalwar das Alter.

Unzählige Umstände mögen es nun sein, welche überhaupt auf dieKörpergröße, die man in einem gewissen Alter erreicht, einwirken. Indem einen Individuum wirken soundso viele aus jenen unzähligen Ur-sachen zusammen und bringen eine Körpergröße von soundso vielenZentimetern zustande. Andere Ursachen aus dem großen Vorrat ver-einigen sich in einem anderen Individuum zu einer anderen Körpergröße.Am häufigsten wird es sein, daß sich günstige und ungünstige Ursachenso vermischen, daß keine allzusehr voneinander abweichende Höhendaraus hervorgehen. Seltener wird das starke Vorwalten fördernderUrsachen in einem gegebenen Individuum oder auch hemmender Ur-sachen sein.

Läßt man nun alle Zwanzigjährigen antreten, so schließt jedes In-dividuum gleichsam eine blindgegriffene Anzahl von Ursachen aus jenemVorrat von Ursachen in sich. Ordne ich dann die Zwanzigjährigen nachder Größe in Gruppen, die ich auszähle, so tue ich absolut dasselbe, alsob ich abgezählt hätte, wie sich in jedem Griff die günstigen zu den un-günstigen Ursachen verhalten, und nun die Griffe nach dem Mischungs-verhältnis jener Ursachen anordnete. Die oft gebrauchte Urne, worinviele Kugeln, teils schwarze, teils weiße, enthalten sind, und aus derman eine bestimmte Zahl von Kugeln blind herauszieht, was man öfterwiederholt, kann als Beispiel dienen. Jedes Individuum von bestimmterGröße entspricht je einer Ziehung.

Wundert sich jemand, daß die Ziehungen die häufigsten sind, derenMischungsverhältnis dem des Vorrats nahesteht? oder darüber, daß hiergroße Abweichungen im Mischungsverhältnis, wenn auch selten, dochmöglich sind?

Da sich nun die Anordnung der Rekruten nach der Größe schon ausden Bedingungen des Versuchs ergibt, wozu die Theorie vom Typus ^uHilfe nehmen, die nicht einmal den Umstand der großen Abweichungenbefriedigend einschließt. Quetelet, vorschnell in Folgerungen, sprichtschon von seinem Gesetz der Verteilung, während doch die Sätze derWahrscheinlichkeitsrechnung, aus einer grundverschiedenen Betrachtungder Dinge hervorgehend, niemals mit diesem Wort, das der Natur-forschung angehört, bezeichnet werden sollten. Man könnte sagen, daßseinGesetz nur der umständliche Beweis ist, daß ein Gesetz im eigent-lichen Sinne fehlt.

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