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I. Statistik.
Größe und dem Gewicht des Zwanzigjährigen anthropologisch zu redenanfinge.
Dagegen ist eine andere Gedankenreihe in dem Werke „Sur l’homme“offenbar nur für den sozialwissenschaftlichen Teil bestimmt. Wir be-schäftigen uns nicht mit den Besonderheiten des einzelnen, heißt esda, sondern wir untersuchen das Gebilde der Gesellschaft (le corps so-cial) : dies ist es, was den Philosophen und den Gesetzgeber interessiert.Die Gesetze, welche sich auf das Wesen der Gesellschaft beziehen (d. h.wohl die Maßverhältnisse, welche sich bei statistischer Betrachtung derGesellschaft herausstellen), sind nicht unveränderlich, sie wechseln jenach den bestimmenden Umständen, wie es bekannt ist, daß die Gesetzeder Sterblichkeit bei fortschreitender Gesittung sich ändern (er wider-spricht hier dem, was er wegen der Wahrscheinlichkeitsrechnung spätervoraussetzt) und die Häufigkeit der Verbrechen sich vermindern läßt.Hier gilt es die Ursachen aufzufinden, welche auf den Zustand der Ge-sellschaft einwirken, und die Stärke derselben zu messen. Kann Quetelet gemeint haben, der Gesetzgeber müsse wissen, wieviel der Mensch Puls-schläge hat und Atemzüge tut?
Und doch ist Sozialwissenschaft und Anthropologie im Hauptwerkvon i 835 zusammengepfercht. Schon der Titel verrät es: „Sur l’hommeet le developpement de ses facultes“ verspricht etwas Anthropologisches,der Zusatz „Essai de physique social“ mit dem Motto aus „Laplace“ lassen etwas Sozialwissenschaftliches erwarten; trotzdem sind beide Be-zeichnungen durch ein schnellfertiges Oder verbunden. Geht man zumInhaltsverzeichnis über, so findet man die eigentlichen Bevölkerungs-sachen im ersten Buch unter der Überschrift: Entwicklung der körper-lichen Eigenschaften des Menschen, wonach also Süß milch ein Phy-siologe war! Dann kommen Bücher mit wirklich anthropologischemInhalt, und das Widerstrebende ist durch eine gemeinsame theoretischeEinleitung scheinbar in ein Ganzes verwandelt. Freilich, wenn man dieEinleitung genauer ansieht, so ist sie ein Flickwerk, zusammengetragenaus eigenen Abhandlungen des verschiedensten Alters und Inhalts. DieHerkunft und ursprüngliche Bestimmung dieser Bruchstücke ist im „Be-richt“ eingehender besprochen, noch muß aber gezeigt werden, wieQuetelet bis zum Jahre 1869 an der auffallenden Vermengung derStoffe festhalten konnte.
Er, der Astronom, hatte sich früh eine Vorstellung von der mensch-