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I. Statistik.
Rang für den Statistiker sein, da er unbefangen die Erscheinung nehmenmuß wie sie ist, das heißt als das Ergebnis des mannigfaltigsten Zu-sammenwirkens. Es ist zwar richtig, daß die eine Art von Ursachen ausder Wirksamkeit von Verhältnissen hervorgeht, die als astronomischeoder meteorologische dem menschlichen Einfluß entzogen sind, währendandere Gruppen von Ursachen, als abhängig von den Einrichtungen derGesellschaft, einigermaßen in der Machtsphäre des Menschen liegen,so daß man also etwa natürliche und soziale Ursachen unterscheidenkönnte. Aber da der Mensch sich weder der einen noch der anderen Artvon Ursachen irgend entziehen kann, und da der todbringende Einfluß— mag er diesen oder jenen Anlaß haben — stets auf physikalischemWege zum Ziel kommt, so ist es falsch, die eine Art von Ursachen sozu bezeichnen, als wäre sie von anderem Rang als die,andere Art.
Ein objektiver Unterschied dieser Art existiert nicht, wohl aber einsubjektiver, den Quetelet nicht bemerkt hat. Je nach der statistischenAufgabe, die gerade vorliegt, ändern sich die wesentlichen und die .un-wesentlichen Ursachen. Wenn ich den Einfluß des Geschlechts auf dieSterblichkeit messen soll, so werden die Einflüsse anderer Ursachen,zum Reispiel der Jahreszeit oder der Ernährung, zu unwesentlichen Ur-sachen, und zwar gleichgültig, ob dieselben aus natürlichen oder sozialenRedingungen hervorgehen. Gilt es aber, den Einfluß der Ernährungnachzuweisen, so dürfen Geschlecht und Jahreszeiten unwesentliche Ur-sachen der Sterblichkeit genannt werden. Alles das ist jedesmal unwesent-lich, was mit dem zu untersuchenden Umstand nicht notwendig zu-sammenhängt. Die Kunst des Statistikers besteht nun darin, nur solche Bei-spiele zu seinen Vergleichen zu wählen, in welchen die unwesentlichenUrsachen einander möglichst ähnlich sind, damit sie möglichst wenigEinfluß auf die zu findenden Unterschiede ausüben, die dann um so mehrjedesmal den wesentlichen Ursachen zugeschrieben werden können. Sokann der Statistiker mit einer gewissen Berechtigung sagen: wenn ichnach den Regeln der Kunst verfahre, so heben die unwesentlichen Ur-sachen einander auf, das heißt haben fast keinen Einfluß auf das Ergeb-nis meines Vergleichsverfahrens, da dies Verfahren eben darin besteht,jenen Einfluß zu eliminieren.
Quetelet dagegen, mit seiner Neigung den Unterschied von wesent-lichen und unwesentlichen Ursachen als etwas objektiv Gegebenes zubetrachten, und die natürlichen Einflüsse zu den ersteren, die sozialenzu den letzteren zu rechnen, verfällt dadurch häufig in den Irrtum, als