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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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I. Statistik.

gipfeln,welcher neue Newton wohl die Gesetze dieser andern Mechanikdes Himmels aufdecken werde eine Frage, worauf die Höflichkeitseiner Anhänger längst geantwortet hat gehen wir zu den Folgerungenüber, die sich ihm aus dieser Auffassung ergeben. Sie liegen alle in derRichtung nach der äußeren Gesetzmäßigkeit. Es scheint mir, sagt erschon i83i, daß alles, was sich auf das Menschengeschlecht in seinerMasse bezieht, den phygikalischen Tatsachen beizuzählen ist: je größerdie Zahl der Individuen ist, desto mehr verschwindet der Einzelwilleund läßt die Reihe allgemeiner Tatsachen vorherrschen, welche von denallgemeinen Ursachen abhängen, kraft deren die Gesellschaft bestehtund sich erhält. Geschickter kann man nicht durchschimmern lassen,daß es eigentlich äußere, gleichsam physikalische Gesetze seien, welchedie Ereignisse in der menschlichen Gesellschaft nach sich ziehen, unddaß das Individuum, nur solange man den Blick aufs Ganze richte, einentätigen Anteil zu haben scheine. Im Jahre i833 sieht er in der regel-mäßigen Wiederholung der jährlichen Zahl der Verbrechen von neuem,wie das Gebiet der Betätigung des einzelnen sich verengert. Im Jahrei835 haben die Eigentümlichkeiten des einzelnen wenig oder gar keineWirkung auf die Masse, und das Gleichnis von den Kreideteilchen, diezusammen einen Kreisbogen bilden, wenn man sie nicht aus allzu großerNähe einzeln betrachtet, kann nur den Sinn haben, daß auch die Kreide-körner keinerlei Einfluß auf die Führung der Hand haben, die den Kreis-bogen zieht: wodurch die äußerliche Gesetzmäßigkeit allerdings schla-gend veranschaulicht wird. Im Jahre i836 muß man, in Anbetrachtder erstaunlichen Regelmäßigkeit der Ziffern, den freien Willen dereinzelnen schlechterdings leugnen, wenn man nicht blind verwerfen will,was die Beobachtung lehrt. Die Statistik, findet er i 847> nur zu Er-kennung der Tatsachen da, welche sich auf eine große Zahl von Men-schen beziehen und zur Aufsuchung derjenigen Gesetze, welche jeneTatsachen beherrschen. Ja die Möglichkeit aller Moralstatistik hängt ihmvon der Grundtatsache ab, daß bei Betrachtung einer großen Zahl vonMenschen der freie Wille verschwindet und ohne merklichen Einflußbleibt. Die Betätigungen der einzelnen heben einander auf und lassen diegroßen Gesetze der Natur vorwalten. Nicht im freien Willen, in anderenUrsachen ist der Grund für die Regelmäßigkeit der Ziffern zu suchen,heißt es x848, und noch im Jahre 1868 ist der Einfluß des Willensnur scheinbar, er übt keinen Einfluß auf Ereignisse, die man ganz vondemselben abhängig glauben sollte.