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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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w Quetelet als Theoretiker.

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Es wäre überflüssig, die bekannten Stellen in aller Ausführlichkeitdeutsch wiederzugeben: niemand kann zweifeln, daß durch Queteletssämtliche Schriften auch die Gedankenreihe sich hindurchzieht: es er-eigne sich in der Gesellschaft alles nach Vorschrift äußerer Gesetze, derselbsttätige Anteil des Individuums sei nur Schein. Diese Auffassung, diebei Quetelet nur neben anderen Auffassungen unvermittelt, wie immer,herläuft, hat am meisten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dieöffentliche Meinung, anfangs zaghaft, hat sich nun aus anderswo ent-wickelten Gründen aufs entschiedenste von ihr abgewendet, man brauchtsie daher nicht mehr weiter zu bekämpfen: nur ihren Ursprung aus denAnsichten Quetelets über die Gesellschaft galt es nachzuweisen.

Sonderbar genug sieht dann wieder Quetelet in einer anderen Ge-dankenreihe, die in den ersten zwei Perioden ihre Spuren zurückgelassenhat, die Statistik ganz natürlich an. Es ist, als wenn ihm alle Erinnerungan jene äußeren Gesetze vergangen wäre; er hat es nur nooh mit demGesamtergebnis der zahllosen Einzelfälle zu tun, welches höchstens denGrundsatz ins Gedächtnis zurückruft, daß die Wirkungen dieselben bleiben,solange die Ursachen sich nicht ändern. Wenn der Zustand Frankreichs sich ändert, sagt er i83i, und wenn infolgedessen die Ursachen, die aufden Hang zum Verbrechen einwirken, gleichfalls eine Änderung erleiden,so darf man auch Veränderungen in den bisher fast gleichgebliebenenVerhältniszahlen erwarten. Und in derselben Schrift, an der Stelle, woer die größere Häufigkeit der Eigentumsverbrechen im Winter entdeckt,erklärt er es aus der vermehrten Not und Sorge, die im Winter fühlbarwird. Große Veränderungen von einem Jahr zum anderen dürfe mannicht erwarten, denn was auf die Gesellschaft Einfluß hat, das änderesich so plötzlich nicht: so wie es bisher gewirkt hat, wirkt es fort, essei denn, daß man nach und nach eine Umbildung erreiche. Im Jahrei836 heißt es, das was Abweichungen in den Ergebnissen für ver-schiedene Kalenderjahre hervorbringen dürfte, seien die Änderungen,die nach und nach in der Gesellschaft durch Reform der Einrichtungeneintreten, und der Wechsel, dem die Lebensart und die Bedürfnisseunterworfen sind. Glücklicherweise treten diese Wandlungen nur ganzallmählich ein: wenn plötzliche Schwankungen möglich wären, wenndie Voraussicht des Zukünftigen, die sich auf die Kenntnis des Ver-gangenen gründet, fortwährend durchkreuzt würde (durch die Wir-kungen eines freien Willens, fügt er hinzu), wozu die Gesetzgebung um-bilden? Was uns die Erfahrung mehr und mehr einprägen wird, istKnapp.