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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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(;() II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

Dies zeigt sich gleich nach der Entdeckung Amerikas , wie in einemVorspiel. Als Kolumbus die westindischen Inseln betrat, fand er be-kanntlich zweierlei Eingeborene dort vor; auf den großen Antillen, be-sonders in Haiti , ein schwächeres Geschlecht von Rothäuten, welcheseben im Begriffe war, den stärkeren Bewohnern der kleinen Antillen,die vom Süden heraufdrangen, zu unterliegen. Jene schwächeren nenntman Antillenos, die stärkeren waren Karaiben, Umwohner des Karaibi-schen Meeres, also des von Kolumbus allein betretenen Beckens des ameri-kanischen Mittelmeeres, und sie erregten wegen ihrer Begabung die Be-wunderung, aber durch ihre Sitte, die erschlagenen Feinde aufzufressen,den Abscheu der Spanier.

Mit diesen Eingeborenen gerieten die Spanier bald in Verkehr, ge-legentlich auch in Streit, und früh sehen wir, seit i 4 g 3 , nachdem diezuerst gegründete Stadt Isabella durch die Indianer zerstört war, dengroßen Admiral zur größten Strenge schreiten; denn Aufrührer schienenihm die Indianer zu sein, die sich zur Wehr setzten! Als am 2. Februair1 4 g 4 eine Flotte von 12 Schiffen unter Antonio de Torres von der KüsteHaitis nach Spanien absegelte, da waren diese 12 Schiffe mit gefangenenEingeborenen beladen, die als Sklaven nach Europa kommen sollten.Es waren Eingeborene jeglichen Alters und Geschlechts; es warenstärkere Karaiben darunter, auf welche der Begleitbrief des Admiralsbesonders hinwies, und schwächere Antillenos, von denen Kolumbusnichts Besonderes sagt.

Aber noch mehr; in dem Begleitbrief macht der Entdecker der NeuenWelt den ersten Vorschlag, solche Sklavensendungen so oft als möglich zuwiederholen. Ihm fehlte es in Haiti an allem, er hatte keine Lebensmittelund kein Vieh; man solle ihm Schiffsladungen davon senden, und erwerde alle diese Dinge mit Kannibalensklaven bezahlen. Je mehr solchenach Spanien kommen, desto mehr finden dort durch Bekehrungihr Seelenheil; und außerdem könnten König und Königin von der Ein-fuhr derselben nach Sevilla einen beträchtlichen Zoll erheben.

Der Vorschlag ist nicht auffallend für jene Zeit, in der die Portu-giesen längst gewohnt waren, schwarze Eingeborene der afrikanischenWestküste auf die Sklavenmärkte in Lissabon zu bringen. Merkwürdigvielmehr ist dies, daß der Verkauf jener roten Sklaven in Sevilla nur vierTage geduldet wurde, weil der Königin plötzlich religiöse Bedenkenaufstiegen. Sie wollte erst hören, wodurch jene Unglücklichen die Skia-