DeivUrsprung der Sklaverei in den Kolonien.
61
verei verdient hätten, und bald darauf wurde das Herüberschleppenantillischer Sklaven verboten.
Aber dies hieß nur, daß die Antillen nicht so wie Guinea ausgebeutetwerden sollten. In Guinea wurde Menschenkauf oder Menschenraub be-trieben, und nur zu diesem Zweck hielten sich Europäer dort auf. Aufden Antillen wollten die Spanier nicht nur handeltreibende Gäste, siewollten Ansiedler werden, und diejenige Sklaverei, von der wir hörenwollen, entsteht erst mit und durch die Besiedelung des überseeischenLandes; erst hier kommen wir zur Sache.
Die antillisohen Einwohner, die man nicht auf den Markt in Sevillabringen durfte, blieben deshalb in ihrem Lande nicht frei; es war ihnenbeschieden, ein hartes Los in ihrer Heimat zu erleiden; sie wurden, wosie im Felde erschienen, mit leichter Mühe besiegt, ein großer Teil indie rauhen Gebirge der Insel verdrängt, wo sie in Frost und Hungerverkamen, und die Reste, die unter ihren Häuptlingen im Lande weiterlebten, wurden zur Goldgräberei und Wäscherei benützt. Aber das Goldwar ein trügerischer Gewinn; wie viele Spanier verarmten völlig ,aufdieser Suche, und wie bald war überhaupt nichts mehr zu finden! Da galtes dann, zur Seßhaftigkeit überzugehen; statt des abenteuernden Gold-suchers erscheint nun der Einwanderer in der Gestalt des Bebauers desBodens, des Bodens, der dem Erobernden nicht mangelt; denn die Ge-walt steht auf seiner Seite. Aber mit seiner Hände Arbeit will auch dergemeinste Krieger das Land nicht bebauen; denn als geborener Spanierfühlt er sich wie ein Adeliger unter den Wilden. Daraus geht nun fol-gende Verfassung hervor:
Wer sich seßhaft machen wollte, um den Boden zu bebauen oderViehzucht zu treiben — alle unsere Haustiere wurden damals erst aufdie Antillen gebracht —, dem wurde eine Herrschaft (commanderie,.encomienda) eingeräumt, das heißt er erhielt den Boden zugeteilt, waswohl in dem spärlich bewohnten Lande leicht war; und dann wurdenihm von den Indianern eine Anzahl überwiesen (repartimiento), welchedie Dienste leisten mußten. Häufig war es ein Häuptling mit denSeinigen, indem man die hergebrachte Abhängigkeit benutzte. Ein Teilarbeitete als häusliche Dienstboten, ein anderer Teil als Fronarbeiter imFelde. Anfangs benutzte man die Indianer nur acht bis neun Monate undentließ sie für den Rest des Jahres in ihre Dörfer; später scheint manihre Übersiedelung in die Nähe des Herrensitzes erzwungen zu haben, woman ihnen dann kleine Ackerlose neu anwies. Schon i5ii hatten die