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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

als Missionare herübergekommenen Dominikanermönche einige Schutz-bestimmungen durohgesetzl, wonach verheiratete Frauen und Kinderunter i4 Jahren von der Fronarbeit frei sein sollten; eine Bestimmung,die mehr den vorher getriebenen Mißbrauch feststellt als beseitigt.

Diese Einrichtung war begründet in der vollständigen Verwirrung,Ratlosigkeit und Not der spanischen Einwanderer in Haiti , die vombloßen Goldsuchen nicht leben konnten. Die Königin Isabella selbst er-laubte dem Statthalter Ovando , die Eingeborenen zu solcjhen Dienstenauszuteilen; freilich glaubte sie, es könne in der Form von Lohnarbeit,ohne Schädigung der Freiheit, geschehen; aber sofort bildete sich darausdie Fronarbeit Unfreier; das Geschäft, die Indianer zuzuteilen, wurdesogar einem besonderen Beamten übertragen. Daß es nicht ohne Wider-siand abging, versteht sich von selbst; wie aber dieser Widerstandgebrochen wurde, ergibt sich aus der trockenen Notiz, daß Ovandoin sieben Monaten 84 Kaziken aufhängen oder verbrennen ließ: auf-hängen, wenn sie getauft, verbrennen, wenn sie ungetauft waren.

In Spanien tröstete man sich mit dem naheliegenden Gedanken, daßdie Indianer durch die Verbindung mit den Eroberern um so leichterzum Christentum bekehrt werden könnten.Aber wie hätten die ver-derbten und unwissenden Spanier, die den Missionären allen Widerstandleisteten und selber der Bekehrung bedurften, andere bekehren sollen!sagt Las Casas , ein Zeitgenosse. Immerhin wurde der Schein gewahrt,und die Herren waren verpflichtet, ihren Leibeigenen das Ave Maria,natürlich in spanischer Sprache, beizubringen.Welch ein Katechismus,dies Ave Maria, für Leute, die nicht wußten, ob diese Worte einen Stein,einen Stock oder etwas zu essen oder zu trinken bedeuteten! (Las Casas .)

Man meinte ferner drüben im Mutterlande, daß es sich bei denKommanderien nur um ordentliche Verwaltung des Landes, nur umdie Belohnung verdienter Männer handle; die Indianer würden ja nichtvertauscht, nicht gekauft und nicht verkauft.Das ist die Stimme Jakobs ,aber die Hände sind Esaus Hände (Las Casas ). Freilich war, wenn einerauf Haiti seine Herrschaft verkaufte, von den Indianern im Vertragenicht die Rede; doch verstand es sich von selbst, daß die Indianer mitan den Käufer übergingen; die vom König eingesetzten Richter wußtendas wohl, aber sie drückten ein Auge zu.

Wenn es sich um das indianische Hausgesinde handelte, so wurdeim Kaufverträge nur von dem Hemde gesprochen, das der Sklave amLeibe trug; dafür wurden 4o5o Kastellanos bezahlt, und bei der