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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Der Ursprung der Sklaverei in den Kolonien. ß3

Übergabe des Hemdes vergaß man den Träger vorher herausschlüpfenzu lassen.

So ging es auf Haiti und Kuba und auf den übrigen AntillischenInseln zu, und wenig später auch auf dem eroberten Festlande.

Als Cortes mit einer Handvoll Leute den mexikanischen Boden be-treten und durch Löwenmut und Schlangenklugheit dem Reiche derAzteken ein Ende gemacht hatte, trat auch an ihn die Frage heran, wiedie Eroberer sich ernähren sollten. Er schrieb an Kaiser Karl V. : beiden hochentwickelten geistigen Fähigkeiten der Azteken habe er es un-gerecht gefunden, sie zur Sklaverei zu verurteilen, wie es auf den Inselngeschehen sei; aber bei näherer Untersuchung habe er die Spanier so er-schöpft und verarmt gesehen, daß sie nicht hoffen konnten, sich in demLande zu erhalten, ohne die Dienste der Eingeborenen zu erzwingen,und deshalb habe er, Cortes, endlich seine Bedenken beiseite gesetzt.Nur die Tlaskalteken, die Bewohner desjenigen mexikanischen Staates,dessen Bundesgenossenschaft dem Cortes die Eroberung möglich ge-macht hatte, wurden von der Knechtung ausgeschlossen. Die übrigenAzteken wurden nach Bedarf dem Repartimiento preisgegeben, und ob-gleich Karl V. dies nachträglich verbot, so ist es doch tatsächlich dabeigeblieben.

Allerdings hat Cortes einige Schutzbestimmungen für die Geknech-teten hinzugefügt und besonders auch Unterricht im Christentum fürdieselben vorgeschrieben. Aber nicht einmal sich selbst hat er damit be-ruhigt. Er, der vor keiner Maßregel zurückbebte, wenn sie seinen Zweckendiente; er, der einen Nachfolger Montezumas, den er in seinem Gefolgehatte, eines schönen Tages ohne jedes Verfahren erdrosseln ließdieser nämliche Cortes hat in seinem Testamente, das er 15 4 7 abfaßte,im § 3g an die indianischen Fronarbeiter gedacht: es sei fraglich, sagter da, ob man die teils eingefangenen, teils angekauften eingeborenenSklaven ohne Gewissensbisse in seinem Besitze behalten könne; erempfiehlt seinem Sohne Don Martin, hierüber, offenbar durch ein Gut-achten der Theologen, sich Gewißheit zu verschaffen;dies wird zurRuhe sowohl meines Gewissens als des Gewissens meiner Nachfolgerbeitragen.

Cortes war ein Mann von einiger Bildung, der Latein gelernt hatteund die kastilische Sprache sehr gut schrieb.

Anders der Eroberer Perus, Franzisko Pizarro, der nicht einmal seinenNamen schreiben konnte: solche Empfindungen kannte dieser heim-