Druckschrift 
Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64

II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

tückische Tiger nicht, als er die gleichen Maßregeln gegen die besiegtenEinwohner des Inkastaates ergriff.

Schon bald nach seiner Landung an der peruanischen Küste, als erzur Stütze seiner Unternehmungen die Stadt San Miguel gründete, wurdezunächst Land ausgeteilt und hierauf jedem Ansiedler eine Anzahl Ein-geborener zugewiesen, um ihnen bei der Arbeit zu helfen. Denn, so be-merkt Pizarros Schreiber wörtlich:da es erwiesen ist, daß die An-siedler ohne die Dienstleistungen der Indianer nicht bestehen können,so waren die Geistlichen und die Leiter des Unternehmens sämtlich darineinverstanden, daß ein Repartimiento der Eingeborenen der Sache derReligion dienlich sein und sehr zu ihrem geistlichen Wohle beitragenwürde: sie würden sich desto leichter mit dem wahren Glauben vertrautmachen.

Später haben sogar viele in Peru gegründete Klöster für sich selberRepartimientos angenommen, die Indianer für sich arbeiten lassen, ohnesich um Rekehrung, Lehre oder Seelsorge zu kümmern. Die Weltlichentaten es erst recht, und als die spanische Krone einen Statthalter hin-übersendete, der dem Unfug ein Ende machen sollte, da erhoben dieansässigen Eroberer unter Gonzalo Pizarro einen Rürgerkrieg, um ihrenRaub gegen den kaiserlichen Statthalter zu verteidigen.

Der uns mit dieser Verheerung Westindiens bekannt gemacht hat,ist Bartholomäus de Las Casas, aus Sevilla , der nach Vollendung seinertheologischen Studien als 26 jähriger junger Mann im Jahre i 5 o 2 mitdem Statthalter Ovando nach Westindien kam; als eben geweihterPriester las er in der Stadt Vega auf Haiti seine erste Messe. Bald darauf,i 5 io, erschienen auf der Insel Mönche vom Dominikanerorden, die sichin unerschrockener Predigt gegen die Gebräuche ihrer Landsleute auf-lehnten: Die Beraubung und Knechtung der Eingeborenen bekämpftensie mit der Macht des Wortes, und Las Casas , damals als Rat in der Be-hörde des Vizegouverneurs beschäftigt, schloß sich ihnen an. Die Indianerverehrten ihn wie einen Vater; wo er bei ihnen erschien, erreichte erfriedlich alles. Aber die hohen Beamten, die alle selbst Kommanderienhalten, hörten seine Mahnungen ungern, und selbst als später die Ver-waltung Indiens an drei Ilieronymitenmönche übertragen wurde, warendiese Kulten träger doch zu weltklug, um den übereifrigen geistlichenMahner neben sich zu dulden. Las Casas reiste mehrmals nach Spanien ,schrieb 1 54 1 / 4 2 sein niederschmetterndes Buch über die Verheerung