Der Ursprung der Sklaverei in den Kolonien.
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reits bekannten und längst üblichen Ausweg hingewiesen, der für jeneZeit gar nichts Anstößiges hatte. Denn die Spanier und Portugiesenhaben während des ganzen i5. Jahrhunderts es als selbstverständlichbetrachtet, daß die besiegten Mauren , als Feinde des Christentums, zuSklaven gemacht wurden. Die Sklavenmärkte in Lissabon und Sevilla waren damals etwas Althergebrachtes! Und als nach und nach die Por-tugiesen an der Westküste Afrikas vorrückten, gerieten sie unversehensvon der maurischen Bevölkerung in die der Neger hinein und habenseit i44s schwarze, wollhaarige Sklaven auf ihren Märkten neben denmaurischen feilgehalten. Diese eigentlichen Negersklaven sind dann inder zweiten Hälfte des i5. Jahrhunderts immer zahlreicher erschienen:die Portugiesen hielten auf einer der Kapverdischen Inseln große Nieder-lagen, und die Genuesen verschifften dann die schwarze Menschenwareweiter.
Daß über kurz oder lang die Spanier gelegentlich solche Sklavennach Westindien bringen würden — dazu brauchten sie durch keinenLas Casas aufgefordert zu werden.
Aber weiter: die Sklaverei der Schwarzen in den Kolonien als sozialeErscheinung betrachtet, hat sich gar nicht allein aus der damals in Süd-europa heimischen Sklaverei entwickelt; denn diese war, wie heule nochbei den Mohammedanern, eine vergleichsweise gemütliche Einrichtung.
Die Sklaven wurden damals, obgleich völlig unfrei und im Handelwie Waren verkäuflich, als häusliche Dienstboten beschäftigt, oder aufdem Felde im kleinen Ackerbau, oder wenn sie kunstreich oder muskel-stark waren, als Triebkräfte oder als Gehilfen im kleinen und unent-wickelten Gewerbebetrieb verwendet. So ist es bei den Mohammedanernnoch jetzt, deren Sklaven, wenn sie erst dem Händler entgangen sind undihren Herrn gefunden haben, ein erträgliches Leben führen, und nichtanders ist es in Spanien und Portugal gewesen; und wäre es in denKolonien so geblieben, dann hätte Onkel Toms Hütte niemals die Herzenunserer Frauen gerührt.
Das, was an der kolonialen Sklaverei uns so sehr empört, das hängtzusammen mit dem Anbau und der Verarbeitung des Zuckerrohrs. Derunvergleichliche Schriftsteller über das tropische Amerika, Alexandervon Humboldt , hat mit aller Schärfe und Klarheit diese Bemerkung aus-gesprochen, die seinem ruhigen, festen Blick und seiner allseitigen Be-obachtungsgabe nicht entgehen konnte: Viel unheilvoller für dieIndianer, als der nur gelegentliche Bergbau, war der Anbau des Zucker-