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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Der Ursprung der Sklaverei in den Kolonien.

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wurde durch einen Bretterboden in zwei Teile geteilt; in diesen zwei-einhalb Fuß hohen Räumen lagen die Sklaven am Backbord und amSteuerbord entlang gereiht, so dicht, daß man keinen mehr dazwischenhätte schieben können, zu zweien aneinander gefesselt, bei unruhigerSee wund gescheuert, nur jeden anderen Tag aufs Verdeck gebracht, umLuft zu schöpfen, notdürftig gefüttert und spärlich getränkt. Die Reisendauerten damals lange, und es kam vor, daß bei widrigen Winden,wenn die Fahrt sich lange hinzog, wohl die Hälfte der Ladung starb;hatte man aber glatte Fahrt, so winkte dafür ein ungewöhnlich hoherErlös.

So hat der Handelsgeist auch durch Verschiffung der Menschenwarenoch seinen Nebenvorteil gefunden.

Was aber den christlichen Sklavenhalter auf den Plantagen angeht,so übertrifft ihn der mohammedanische Herr an Menschlichkeit:

Wenn der Araber zuweilen seinen Sklaven prügelt, so geschieht dies,weil dort überhaupt mehr geprügelt wird als bei uns, und der erwachseneSohn des Herrn erlebt mitunter die gleiche Behandlung.

Wenn der mohammedanische Herr an seiner Sklavin Gefallen findet,so verbietet ihm die Sitte, seine Bewerbung dadurch zu unterstützen,daß er sich als der Herr gebärdet: er muß warten, bis seine Neigungerwidert wird.

Von den christlichen Pflanzern in den Kolonien hat man dergleichennie gehört.

Wäre nicht gleichzeitig mit den großen geographischen Entdeckungenjene Entwicklung des Handelsgeistes eingetreten, welche sich höhereZiele steckte, als bloß die landesüblich verfertigten Erzeugnisse ver-schiedener Länder auszutauschen; welche vielmehr dazu überging, dieseErzeugung auf die sparsamste Weise, mit Anwendung mechanischerHilfsmittel und unter Begründung von Herrschaftsverhältnissen selberin die Hand zu nehmen: dann wäje in den Kolonien die Negersklavereiebenso gemütlich geblieben, wie Las Gasas vorausgesetzt hatte und wiesie noch heute bei den Mohammedanern ist.

Das, was in den Jahren 1888 und 1889 ganz Deutschland in Be-wegung hielt, waren freilich die Greueltaten, welche von mohammeda-nischen Arabern gegen die Eingeborenen Ostafrikas verübt wurden; aberdiese Araber treten dort auf als Sklavenjäger und als Sklavenhändler;sie zeigen sich nicht als gewöhnliche Herren über Sklaven, sondern alsUnternehmer und Kaufleute, welche Sklaven auf die Märkte der Mo-