Die Erbuntertänigkeit und die kapitalistische Wirtschaft.
„Die kapitalistische Wirtschaft“ — wer hätte diesen Ausdruck nichtschon tausendmal gelesen; er gehörte unter die beliebtesten der Tages-presse und hat sich seit dem Jahre 1867, wesentlich durch Karl Marx ,völlig eingebürgert. Was die kapitalistische Wirtschaft eigentlich sei,darüber wollen wir nicht streiten; es genügt, wenn wir sagen, was dasWort für uns bedeuten soll.
Es bedeutet eine Wirtschaft, die im Gegensätze steht zum kleinenBetrieb und die also das Kennzeichen des großen Betriebes haben muß;und ferner muß die kapitalistische Wirtschaft dem Naturalbetrieb ent-gegengesetzt sein, sie muß für den Markt schaffen.
Eine Wirtschaft, welche ihre Erzeugnisse für den Verkauf auf demMarkte, nicht zum eigenen Verbrauch des Erzeugers, herstellt; undwelche solche Mengen von Erzeugnissen herstellt, daß aus dem Ver-kauf eine beträchtliche Einnahme entsteht, ist für uns eine kapitalisti-sche Wirtschaft. Ihr Zweck ist der Gewinn, der sich nach 'Abzug derHerstellungskosten ergibt; aus diesem Gewinn soll ein bedeutendes Ein-kommen erwachsen; die Erlangung und Steigerung eines solchen Ein-kommens bis zur Bildung eines bedeutenden Vermögens, nicht nur dieGewinnung landesüblichen Lebensunterhalts, ist der Traum dessen, derdie kapitalistische Wirtschaft betreibt.
Das Wort ist jung; die Sache, die dadurch bezeichnet wird, ist,wie bekannt, weit älter. Aber wie alt ist die Sache? Wann hat die kapi-talistische Wirtschaft angefangen? Und wo hat sie angefangen?
Jedermann denkt zuerst an England , an die englische Großindustrieund an die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, und mit Recht, 'wennes sich nur um die kapitalistische Wirtschaft in der Industrie handelte.
Aber unsere Frage ist nicht so eng begrenzt. Wir wollen von den An-fängen dieser Wirtschaft überhaupt reden. Diese Anfänge liegen nichtin der Industrie. Die höhere Ausbildung des Gewerbes ist jünger als diehöhere Entwicklung der Landwirtschaft, wie ja überhaupt das Gewerbejünger als die Landwirtschaft ist. Die Anfänge der kapitalistischen Wirtschaft liegen in der Landwirtschaft, allerdings nicht in der bäuer-lichen Landwirtschaft, wohl aber im landwirtschaftlichen Großbetriebe.
Es wird also darauf ankommen, die - Wurzeln unseres landwirtschaft-lichen Großbetriebes bloßzulegen.