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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

Schaft führen, sei es als Bauern oder als Kossäten oder als Büdner, Häus-ler, Kätner.

So sah es zur Zeit der Frondienste aus.

Die unglaubliche Verkommenheit der bäuerlichen Bevölkerung, diegeistige Stumpfheit, die liederliche Wirtschaft, das alles übergehe ichhier; auch die schlimmen Wirkungen des lassitischen Besitzrechtes, be-sonders für die eigentlichen Bauern, lassen wir beiseite und fragen nur:Wie ist dieser kapitalistische Gutsbetrieb mit seiner Arbeitsverfassungentstanden?

Die Vorgeschichte ist uns bereits bekannt. Bis ins 16. Jahrhunderthinein haben wir auch drüben im Osten wesentlich jene wirklich mittel-alterliche Grundherrschaft des Bitters, der noch Kriegsmann ist. Aberdie ritterliche Heeresverfassung kommt in Verfall; nicht mehr dieReiterei, sondern das Fußvolk geben den Ausschlag; nicht mehr be-lehnte Vasallen, sondern geworbene Söldner ziehen ins Feld. Der Ritterbleibt zu Haus und faßt einen Entschluß denn er hat kaum eineandere Wahl, als etwa Straßenräuber zu werden, und dieser Ent-schluß lautet: ich werde Landwirt. Als Mann der Tat hat er vorher imFelde gelegen; ein Mann der Tat will er bleiben, jetzt, wo er zu seinenFeldern zurückkehrt; ein Gebiet des Schaffens hat er verloren, dafürsucht er sich ein neues auf und steckt sich als Ziel: die Umwandlungder Grundherrschaft in eine Gutsherrschaft. Er spürt den Erwerbstriebder Neuzeit in seinen Adern, und in seine Standesbegriffe wird ein neuerSatz aufgenommen: es gibt eine Erwerbsarbeit freilich nur eine ;,die nicht schändet, dies ist der Betrieb der eigenen Güter. Trotz allemVorbehalt hat er dadurch innerlich das Mittelalter überwunden und seineSeele der neuen Zeit verschrieben. Der Landjunker ist der wahre Manndes Fortschritts, er strebt nach Reichtum neben der Macht; und wenner nun erst recht den Städter und in der Stadt den Kaufmann verachtet,so ist es begreiflich; denn er ist ihm innerlich nähergerückt, hat sichalso stärker gegen die neue unbequeme Verwandtschaft zu wehren.

Indem sich nun der Ritter zur Laufbahn des Landwirts entschließt,genügt ihm der geringe Ackerbesitz nicht mehr, den er bisher hatte.Er benutzt jede Gelegenheit, denselben zu vermehren und handelt nachdem Losungsworte: mehr Land. Es bieten sich viele Gelegenheiten dar,diesen begreiflichen Wunsch zu verwirklichen. Hie und da werden bäuer-liche Höfe im Bezirk seiner Grundherrschaft ledig und fallen ihm, demGrundherrn, heim; statt sie neu mit Bauern zu besetzen, fügt er die