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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

dem Genuß der Wohnung, in der Regel etwas Gartenland, das er für sichbenutzt; und außerdem wird für ihn eine Anzahl Morgen Landes in dengutsherrlichen Schlägen bestellt. Was da geerntet wird an Getreide,Hülsenfrüchten oder Kartoffeln, das gehört dem Insten. Endlich hat derInste das Recht, während des Winters das Getreide des Gutsherrn aus-zudreschen gegen einen bestimmten Bruchteil des Erdrusches.

DieBeisaaten, die für den Insten geerntet werden auf dem so-genanntenMorgenland, und das Getreide, das er sich als seinen An-teil erdrischt, ist oft mehr als er braucht; den Überschuß verkauft er,und aus diesem Erlös sowie aus dem nur ganz spärlichen Tagelohn setztsich sein Geldverdienst zusammen.

Es ist selbstverständlich, daß der Inste etwas Vieh besitzt, oft eineKuh oder einige Schafe, und ganz regelmäßig hat er ein Schwein imStall.

Sehr oft sind die Arbeiterwohnungen, die Katen, recht erbärmlich,doch haben sie sich in der letzten Zeit gebessert. Sicher ist, daß der Insteniemals Hunger leidet; seine Versorgung mit Brot, mit Erbsen undBohnen, mit Speck und Gänsefett läßt in der Regel gar nichts zuwünschen übrig, soweit die Fülle in Betracht kommt. Es handelt sichwirklich im großen und ganzen nicht um ungenügende Ernährung. DerInste bewegt sich auch bei regelmäßiger körperlicher Arbeit stets infreier Luft und kann mit dem übel genährten, in geschlossenen Räumenbeschäftigten Industriearbeiter, der ebenfalls schlecht wohnt, gar nichtals gleichartig betrachtet werden. Der Herr, der ihn beschäftigt, bietetihm in der Tat nicht einen Stein statt des Brotes. Brot hat der Inste fürsich und die Seinigen genug.

Solche Instenhäuser, jedes mit einer Familie besetzt, stehen in derNähe der Gutsgebäude in verschiedener Zahl, häufig zehn oder zwölf,und dies wiederholt sich bei jedem Vorwerk. Von der Kündigung wirdbeiderseits sehr häufig Gebrauch gemacht.

Auf den ersten Blick erinnert der Inste an den Heuerling, denn beidehaben ein dauerndes Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber; beide werdennicht in erster Linie durch Geld, sondern durch andere Gegenleistungenabgelohnt. Gleichwohl ist der Unterschied groß, auch wenn wir nurdas Wirtschaftliche ins Auge fassen. Der Heuerling hat auf dem Lande,das für ihn ausgesondert ist, einen eigenen, wenn auch recht kleinenBetrieb. Das hat aber der Inste nicht: nur das ganz kleine Gartenlandist ausgesondert, und da kann er allerdings sein Gemüse bauen; was